Dienstag, den 23. Juli 2013 um 20:57 Uhr
Autor: Pebbles

Die Krankenpflege im Wandel (Jahrhundertwende bis 1945)

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Die Krankenpflege im Wandel (Jahrhundertwende bis 1945)
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Die Krankenpflege im Wandel –
Von der Jahrhundertwende bis 1945


Das Krankheitsverständnis für die Menschen der damaligen Zeit

Ab der Jahrhundertwende:
Das Krankheitsverständnis Anfang des 20. Jahrhunderts ist von der Forschung und medizinischen Entdeckungen geprägt. Man war sich bereits bewusst über die Entstehung und Übertragung vieler Krankheiten und arbeitete daran, Kranke Behandeln und Heilen zu können. Beispielsweise werden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereits verschiedene Impfstoffe (z.B. Diphterie, Keuchhusten, Tuberkulose, Tetanus, Influenza) entdeckt und verabreicht. Auch die Entdeckung der Röntgens (1895) und des Penicillins (1928) sind große Errungenschaften dieser Zeit. Auch Hygiene war kein Fremdwort mehr, so wurde hygienisches Arbeiten angestrebt, um Infektionen zu vermeiden. Trotzdem gibt es viele Erkrankungen, denen man zu dieser Zeit noch hilflos gegenüber stand und die stets Lebensgefahr bedeuteten, z.B. Scharlach, Masern oder Kinderlähmung. Eine gewisse Angst um die Gesundheit war ein ständiger Begleiter.

Nationalsozialismus:
Das Krankheitsverständnis änderte sich im Nationalsozialismus grundlegend. Nicht mehr das Wohlergehen der Kranken und Pflegebedürftigen steht im Vordergrund, sondern das Wohl des Volkes, das es zu schützen galt. So kam es zu den sog. Krankenmorden, der systematischen Ermordung von Kranken und Behinderten im Rahmen der nationalsozialistischen Rassenhygiene.

Heute:
Unser heutiges Krankheitsverständnis baut sich auf dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Durch Forschung und Entwicklung konnten wir die Kenntnisse der damaligen Zeit vertiefen und festigen. Heute gehören moderne Diagnosetechniken wie Sonographie, Nuklearmedizinische Diagnostik oder Computertomographie zum Standard und ermöglichen einen wesentlichen schnelleren und präzisieren Krankheitsbefund. Durch die moderne Medizin können Krankheiten aber nicht nur schneller erkannt, sondern auch schneller und effektiver behandelt werden. Erkrankungen, die vor 100 Jahren noch einen mehrwöchigen stationären Aufenthalt erforderten, können heute innerhalb weniger Tage geheilt werden. Trotzdem können auch in vielerlei Hinsicht Parallelen gezogen werden. Denn trotz fortschreitender Forschung gibt es auch heute noch Krankheiten, die nicht geheilt werden können und neue Erreger, gegen die die Medizin machtlos ist, z.B. HIV.



Die Versorgung der Kranken

Jahrhundertwende:
Zur Jahrhundertwende war die Krankenversorgung ganz allgemein ein Desaster. Die Krankenanstalten waren in einem unglaublichen Maße überfüllt. Die Aufnahme von Patienten trotz einer Dringlichkeitsbescheinigung ihres Arztes wegen einer akuten lebensgefährlichen Erkrankung wurde regelmäßig wegen Überbelegung abgelehnt. Ein Krankenbett zu erhaschen, war fast so etwas wie ein Lotteriegewinn. Der Schwerpunkt der Pflege lag auf der Grundpflege.


1. Weltkrieg (1914 - 1918):
Zu Zeiten des ersten Weltkriegs herrschten in Deutschland allgemein  sehr schlechte Lebensbedingungen. Deutschland hungerte. Unterernährung und Mangelkrankheiten erhöhten die Krankheitsanfälligkeit. Die Zahl der Tuberkulosekranken verdreifachte sich. Dazu wüteten 1918 Epidemien wie die Spanische Grippe, Australische Enzephalitis und Kinderlähmung, die viele Todesopfer forderten. Die Krankenpflegerinnen wurden dadurch nicht nur arbeitsmäßig überbelastet, immer dicht an der "Quelle" erhöhte sich auch die eigene Ansteckungsgefahr. Die Versorgung der zahlreichen Kranken war unter diesen Umständen sehr schwierig. Je länger der Krieg andauerte, desto mehr rückte die Versorgung der Kranken in den Hintergrund. In erste Linie konzentrierte sich die Pflege nur noch auf die  Aufrechterhaltung der pflegerischen Versorgung der Kriegsverletzten, die von der Front zurückkehrten.

Nachkriegsjahre:
Auch in den Nachkriegsjahren herrschte in Deutschland große Armut. Die Versorgung der Kranken bleibt schlecht. Durch gravierenden Personalmangel und Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden ist das Pflegepersonal oft völlig überfordert.

Nationalsozialismus:
Die Zeit während des Nationalsozialismus (1933-45) werden auch als die „dunklen Jahre der Krankenpflege“ bezeichnet.

Die zentralen Aufgaben der Krankenpflege waren einerseits die Versorgung von Kranken und Verletzten in Krankenhäusern, Sanatorien oder Kurkliniken. Dort wurden viele Pflegekräfte mit der Gewaltbereitschaft der Nationalsozialisten konfrontiert. Z.B. kam es nach großen Schlägereien mit der SA häufig zu sogenannten „Säuberungsaktionen“. Bewaffnete SA-Leute stürmten die naheliegenden Krankenhausambulanzen oder Rettungsstellen auf der Suche nach verletzten politischen Gegnern. Nicht selten wurden dabei Pflegekräfte und Ärzte massiv bedroht. Wenn sie versuchten, die Verletzten zu schützen, mussten sie damit rechnen, selber verprügelt zu werden.

Ein Teil des Pflegepersonals wurde auch in den Konzentrationslagern eingesetzt, die nach und nach eingerichtet wurden. Selbst Pflegekräfte mit den besten Absichten und großem Engagement bekamen dort in der Versorgung der Pflegebedürftigen deutlich ihre Grenzen aufgezeigt und wurden häufig gezwungen, gegen ihr Gewissen und Wissen zu handeln. Die KZ-Ärzte zwangen sie oft zu Handlungen, durch die sie Mittäter wurden und ihr Leben lang unter immensen Schuldgefühlen litten.

Ein neuer Schwerpunkt  lag auch in der sog. Gemeindepflege. Dieser Berufszweig wandelte sich von der Familien- und Krankenpflege in dieser Zeit hin zur Kontrollinstanz. Die Gemeindepflegerin überwachte den Gesundheitszustand der Bevölkerung durch Besuche zu Hause und war als Gesundheitserzieherin tätig. Sie entschied über Kinderlandverschickungen oder die Genehmigung von Erholungskuren und gaben Tipps zur Ernährung. Was sich für uns im ersten Moment modern und fortschrittlich anhört (der heutige Trend in der Pflege geht auch hin zur Gesundheitspflege und Prävention), diente leider auch der Kontrolle des Gesundheitszustandes. So wurden Vorgesetzten über Missbildungen und Verhaltenabnormitäten von Patienten informiert. Eine Folge davon waren unzählige Zwangssterilisationen und -abtreibungen, die durchgeführt wurden. Es kam zu den ersten „Gnadentoden“ schwerbehinderter Kinder. Ab 1939 begann die systematische Kinder-Euthanasie, die später auch zur Erwachsenen-Euthanasie führte. Morde an geistig behinderten, psychisch kranken oder unheilbar kranken Menschen wurden per Gesetz legitimiert. Die betroffenen Kinder wurden in sog. Kinderfachabteilungen eingewiesen, wo sie von Ärzten und Pflegepersonal durch Medikamente, künstlich herbeigeführte Luftembolien oder durch Nahrungsentzug getötet wurden.


2. Weltkrieg (1939 – 1945)
Nach dem Kriegsausbruch verschlimmerte sich die medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung dramatisch. Ärzte und gut ausgebildete Pflegekräfte fehlten überall. Das DRK war dabei behilflich, über diese katastrophalen Bedingungen hinwegzutäuschen. Es wurden Leute in eine Rotkreuzuniform gesteckt, die von der Pflege wenig oder gar keine Ahnung hatten, um den Leuten vorzugaukeln, dass die Krankenversorgung gesichert sei. Berufsfremde konnten nicht ahnen, ob in einer Uniform nun eine gelernte oder eine ungelernte Kraft steckte.
Alle gelernten Kräfte wurden an die Front geschickt. Die Versorgung in Deutschland erfolgte fast ausschließlich durch ungelernte Hilfskräfte.




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Kommentare 

 
+6 (von 6) #1 Christian Williams 01.08.2013, 19:58
Ziemlich interessant! War sicherlich sehr aufwändig zu recherchieren, oder?
Aber man bekommt einen recht deutlichen Eindruck, was sich hier in den wenigen Jahren alles getan hat!
Da haben wir es doch heute eigentlich richtig gut :lol:
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