Dienstag, den 18. Mai 2010 um 23:56 Uhr
Autor: MasterMind

Alles nur zum Wohle des Sparers

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Alles nur zum Wohle des Sparers

Die Kreditgeber müssen unter allen Umständen geschont werden, heißt es, weil sonst das ganze System kollabiert. Also wird inflationiert. Nur dass das die Sparer härter trifft als jede Umschuldung von Staatskrediten.

Was wäre eigentlich so schlimm an einer Umschuldung Griechenlands, die dessen Haushaltskonsolidierung ganz erheblich erleichtern würde und zusammen mit geeigneten Strukturanpassungen zur Wiedererlangung der Kreditwürdigkeit des Landes beitragen könnte? Die offizielle Schreckensversion lautet in etwa so: Bringt ein Zahlungsausfall eines südeuropäischen Staates eine Geschäftsbank in eine Schieflage, ist gleich das ganze System in Gefahr, weil die betreffende Bank womöglich ihre Verbindlichkeiten gegenüber anderen Kreditinstituten nicht mehr erfüllen kann, womit diese dann ebenfalls wackeln könnten, was eine Kettenreaktion auslösen würde und in einer Kernschmelze endete. Im Resultat wären alle Spareinlagen futsch - und natürlich das System der Finanzintermediation selbst. 

Auch wenn die Hälfte aller für 2010 geschätzten (OECD) staatlichen Schulden Griechenlands, Italiens, Spaniens, Portugals und Irlands abgeschrieben werden müsste, entspräche das "bloß" 1516 Mrd. Euro - oder 6,3 Prozent der konsolidierten Bilanzsumme der Banken respektive 13 Prozent des Netto-Geldvermögens der privaten Haushalte im Euro-Raum. Selbst in diesem eher unwahrscheinlichen Fall beliefe sich der Schaden nicht mal auf das Doppelte der soeben vereinbarten Hilfszusagen von 860 Mrd. Euro. Und nur mal zum Vergleich: Allein die im MSCI Europa enthaltenen Finanzwerte sollen dieses Jahr rund 130 Mrd. Euro vor Steuern verdienen. Das ist fast die Hälfte der griechischen Staatsschulden Ende 2009, um die es ja vor allem geht. 

Im Namen der aggregierten Nachfrage und des BIP soll aber so viel Kredit fließen, wie es eben möglich ist, auch wenn damit bloß Autos gekauft werden, die sich kein Mensch leisten kann, Häuser gebaut werden, deren Wohnraum niemand zum Leben braucht, Bürotürme hochgezogen werden, für die sich keine Mieter finden - oder Fabriken errichtet werden, die die Überkapazitäten nur noch erhöhen. Dabei wäre gegen die Antideflationspolitik noch nicht mal etwas zu sagen, wenn die staatlichen Gelder in jene Bereiche fließen würden, in denen sie wirklich gebraucht werden: Bildung, Kunst, Kultur, Freizeit, Städteverschönerung oder innere Sicherheit beispielsweise. Und wenn diese Politik gleichzeitig durch strukturelle Verbesserungen der darbenden Produktmärkte und der Arbeitsmarktbestimmungen sowie durch Steuererhöhungen auf die Wohlhabenden flankiert werden würde.


Doch im Gegenteil: Um das derzeitige System zu erhalten, drucken die Zentralbanken nun rund um den Globus Geld, viel Geld. Dennoch wird es wohl Jahre dauern, um die krisenbedingt deflationäre Phase zu "überwinden". Da es jedoch kein Zurück mehr zu geben scheint aus der jetzigen Politik, wird die Inflation gewiss kommen, schon weil der Schuldendienst mit dauernd steigenden Verbindlichkeiten ansonsten gar nicht mehr möglich wäre. Vom derzeitigen Stand ausgehend braucht es indes nur eine kurze Phase zweistelliger Inflation, um das reale Geldvermögen der Europäer um 1516 Mrd. Euro zu schmälern. Dummerweise beschränken sich die Kosten der Inflation aber beileibe nicht auf reale Vermögensverluste für die Sparer. Und zufälligerweise wird es wieder einmal vor allem jene treffen, die den Keynesianern angeblich doch am Herzen liegen: die kleinen Leute.

 

FTD 

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