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Seit mittlerweile 48 Tagen sprudeln täglich etwa 3.000.000 Liter Öl in den Golf von Mexiko. So lauten zumindest die offiziellen Schätzungen der US-Regierung. In Wirklichkeit dürfte es sogar mehr sein. Die Bild-Zeitung sprach in diesem Zusammenhang bereits von 10 Mio. Litern pro Tag. Man spricht von der größten Umweltkatastrophe überhaupt und fordert  wiederholt drakonischen Strafen für die Schuldigen. Passieren tut nach wie vor gar nichts oder wenn nur mit mäßigem Erfolg.

Ist unsere Technik wirklich so hilflos gegenüber solchen Dingen, wo wir doch alles wissen und unsere Wissenschaftler alles im Griff haben? Man darf vermuten, dass BP weder Kosten noch Mühen scheut, um endlich eine positive Statusmeldung heraus geben zu können. Doch wie es scheint ist das auch nicht wirklich hilfreich. Immerhin werden seit einigen Tagen ungefähr 1.670.000 der ausströmenden Menge abgesaugt. Das ist allerdings nur die Hälfte von dem, was täglich neu herausströmt.

Es wäre an der Zeit, dass die Politik den Verantwortlichen dieser Katastrophe die Kompetenzen entzieht und selbst das Krisenmanagement in die Hand nimmt. Es kann nicht sein, dass die gigantische Gefahr, die das ganze Ökosystem in dieser Region durcheinander bringt, immer noch von einer profitorientierten Gesellschaft gebannt werden soll. Selbstverständlich muss BP die Kosten und die Verantwortung tragen. Doch wozu ist ein Staat da? Die Sauberkeit, die Ordnung und die damit verbundene Lebensqualität im Land fallen klar in seine Zuständigkeit. Doch auch weitere Akteure müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Es geht völlig an der Öffentlichkeit vorbei, dass sich "Deepwater Horizon" im Besitz der Firma Transocean befindet. Das weltgrößte Unternehmen für Bohrplattformen hat seinen Sitz in Zug in der Schweiz. Dazu kommt noch das US-Unternehmen Halliburton, das zuständig für die Wartung der Leitungen war. Alle drei beteiligten Unternehmen schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Trotzdem trägt BP schon rein rechtlich die Konsequenzen.

Es zeigt sich zumindest, dass das Ölgeschäft weitestgehend undurchsichtig organisiert ist. Wieso muss ein Hausvermieter für alle Schäden aufkommen, ein Ölbohrplattformbesitzer aber nicht? Was sind das für rechtliche Sonderstellungen und Geschäfte die da getätigt werden? Es wäre an der Zeit hier umzudenken und den ganzen Sektor zu reformieren. Man muss bei Unternehmungen, die massiv in die Umwelt eingreifen auch die Sicherheitsvorkehrungen anpassen. Ein Höchstmaß an Sicherheit könnte durch mehr Transparenz im ganzen Ölsektor erreicht werden.

Es wird Zeit, dass sich US-Präsident Obama an die Ölbarone herantraut, und wie versprochen, den Weg für wirklich tiefgreifende technologische und strukturelle Innovationen bereitet, statt lediglich die Mineralölsteuer anzuheben.

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Kommentare  

+5 #3 Patrick Hartmann 2010-06-15 18:20
Die verdienen so viel, da muss man den Laden noch nicht mal enteignen. BP hat 2009 16,8 Mrd. $ Gewinn gemacht, in den beiden Jahren zuvor war es mit jeweils über 21 Mrd. sogar noch mehr.

Quelle BP-Geschäftsbericht 2009:
http://www.bp.com/assets/bp_internet/globalbp/globalbp_uk_english/set_branch/STAGING/common_assets/downloads/pdf/BP_Annual_Report_and_Accounts_2009_Financial_Statements.pdf
+9 #2 Maria Menges 2010-06-12 22:03
Das wäre wirklich mal bahnbrechend, Hexi! Aber wer soll das initiieren? Die Aktionäre sind stärker als ein paar Vögel und Fischer, die keine Lobby haben. Traurig, aber wahr!
+13 #1 sybille korn 2010-06-07 16:49
Das ist echt eine Katastrophe mit ungeheuren Ausmaßen. BP muss enteignet werden, der Konzern zerschlagen und die Gewinne in die Umwelt gesteckt werden!!!!

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