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Die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern in Deutschland bekommen nach einem 23-stündigen Verhandlungsmarathon zwei Prozent mehr Gehalt. Das gilt auch rückwirkend für die letzten 20 Monate. Fraglich ist, ob sich die Ärzte da wirklich so sehr drüber freuen können.

Eine wirklich gute medizinische Beratung und Hilfe ist nach der aktuellen Gesetzgebung flächendeckend nur schwer möglich. Die Bezahlung eröffnet drei Typen von Ärzten unterschiedlich Möglichkeiten.

Da wäre Typ 1 - ein Arzt aus Leidenschaft, der alles gibt und jeden Patienten behandelt bis er abends selbst ins Koma fällt. Er nimmt sich genügend Zeit für seine Patienten und behandelt egal ob Privatpatient oder nicht alle gleich. Ein Ideal von Arzt, den sich jeder wünscht. Leider hat er lange Wartezeiten und verschreibt auch nicht immer sofort die gewünschten Medikamente. Verdienen tut dieser Arzt gemessen an seiner Leistung nicht wirklich viel und wenn er mal einen Fehler macht, kann er seine Praxis schließen und ist am Ende.

Typ 2 ist die aktuelle Politik egal. Er behandelt eh nur Privatpatienten. Der Rest kann entweder zwei Stunden warten, bis er trotz Termin drankommt oder braucht gar nicht erst zu kommen. Dieser Arzt ist Profi auf seinem Gebiet und kennt sich nebenbei auch noch mit alternativer Medizin wie chinesischen Anwendungen gut aus. Seine betuchten Patienten fliegen auf ihn und kommen gerne in seine schicke Praxis. Dieser Arzt arbeitet eher weniger und verdient einen Haufen Geld.

Typ 3 nutzt die Schlupflöcher im System und behandelt jeden der kommt 5 Minuten - verschreibt allen das gewünschte und schließt seine Praxis pünktlich. Er verdient gemessen an seiner Arbeit nicht schlecht.

Das sind natürlich Extremfälle. Die Praxis zeigt aber, dass wir uns in der Realität genau darauf zu bewegen. Der Arzt - wenn er noch so doof ist, sich selbstständig zu machen - verkommt zu einem Dienstleister. Er muss um die Gunst der Patienten buhlen und möglichst viel drum herum bieten. Es stellt sich die Frage, was der Arzt nun eigentlich für einen Sinn erfüllt. Ist er ein Pausenclown, der Arbeitsmüden Atteste ausfüllt? Oder soll er wirklich Leben retten?

Mit einer tariflichen Bezahlung von Ärzten im Krankenhaus ist man auf dem falschen Weg. Der Arzt wird mit Berufen aus dem Dienstleistungssektor gleichgestellt. Er bekommt genau wie ein Mechaniker am Fließband - der tatsächlich bewertbare Arbeit leistet - seine jährlichen Gehaltserhöhungen. Wenn nicht streikt er eben. Ansonsten macht er Dienst nach Vorschrift.

Ist das die medizinische Versorgung, die wir uns wünschen? Man sollte hier umdenken und Ärzte nach ihrer tatsächlichen Leistung beurteilen. Nur ein unabhängiger Arzt ist auch ein guter Arzt. Diese Unabhängigkeit wird ihnen jedes Jahr ein Stück mehr genommen.  

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Kommentare  

+12 #2 Stephanie Fischer-Stabauer 2010-06-09 18:08
Hohes Ross, na klar. Dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ein Auto zu bauen und einen Menschen zu behandeln, scheint nicht wirklich erkennbar zu sein.

Ich für meinen Teil betrachte es nicht als Dienstleistung, wenn ich gut behandelt werde, sondern als Hilfe.
Eine ärztliche Behandlung als Dienstleistung zu betrachten zeugt nur von der Einstellung der meisten Leute zum medizinischen Beruf ("steht mir zu, ich bezahle ja auch gut dafür"). Dass das Geld, das an die Versicherungen geht, nur zu einem geringen Teil auch bei den "Dienstleistern" ankommt, wissen die meisten gar nicht.
+9 #1 Martin Krantz 2010-06-09 16:25
die armen Ärzte - ich bin mir sicher, dass sie alle bald am Hungertuch nagen. Was ist so schlimm daran, mit einem Dienstleister verglichen zu werden? Das tut denen mal ganz gut, wenn sie von Ihrem hohen Ross runterkommen...

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