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Brief des Diözesanadministrators im Bistum Augsburg, Weihbischof Josef Grünwald
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
liebe kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Schwestern und Brüder,
 
nach einer Zeit sehr belastender Entwicklungen für uns alle in unserer Diözese Augsburg hat Papst Benedikt XVI. heute das Rücktrittsgesuch unseres Bischofs Dr. Walter Mixa angenommen. Im Verlauf dieses Tages hat sich daher das Augsburger Domkapitel entsprechend den kirchenrechtlichen Vorgaben zur Wahl eines Diözesanadministrators zusammengefunden, der umgehend die Leitung des Bistums in der Zeit der Sedisvakanz übernehmen wird. In dieses Amt wurde ich gewählt. Der Administrator übt diese Leitungsaufgabe bis zur Ernennung eines neuen Bischofs durch den Heiligen Vater aus. Als ständigen Vertreter habe ich umgehend den bisherigen Generalvikar Prälat Karlheinz Knebel ernannt.
 

„Der Heilige Vater hat das Rücktrittsgesuch von Bischof Dr. Walter Mixa angenommen“– schreibt Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in seiner Presseerklärung – „die Entscheidung des Papstes schafft nun für das Bistum Augsburg die notwendige Klarheit. Ohne die Bemühungen derer, die im Bistum Augsburg in den zurückliegenden Wochen an der auch von Bischof Mixa gewünschten Klärung verschiedener Vorwürfe mitgewirkt haben, wäre sie nicht möglich gewesen.“

Die Diözese steht auch weiterhin und ausdrücklich zu dem klaren und sachgerechten Umgang in der Aufklärung aller gegen Bischof Dr. Walter Mixa in der zurückliegenden Zeit erhobenen Vorwürfe. Das betrifft auch den schweren Schritt der Einschaltung der Generalstaatsanwaltschaft in München, die durch die Bistumsleitung aufgrund vorliegender Vorwürfe gegen Dr. Walter Mixa informiert wurde. „Es war richtig“ – so erklärt Erzbischof Dr. Zollitsch – dass Hinweise, die jetzt gegeben wurden, in Übereinstimmung mit den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz den zuständigen Stellen zur Kenntnis gebracht und angezeigt wurden.“ Über die Zukunft des emeritierten Bischofs kann erst nach Prüfung und Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden werden.

Die Ereignisse um Bischof Dr. Mixa haben die Diözese Augsburg in den letzten Wochen und Tagen zutiefst belastet und gespalten. Viele Gläubige sehen dadurch ihr Vertrauen in die Kirche von Augsburg erschüttert, nicht wenige haben dieses Vertrauen ganz verloren und nehmen die Verwerfungen zum Anlass, aus der Gemeinschaft der Glaubenden auszutreten. Andere aber halten immer noch daran fest, dass der Bischof Opfer einer Medienkampagne geworden sei. Diese Spaltung, die das ganze Bistum auseinander zu reißen droht, schadet unserer Kirche von Augsburg und ihrer Glaubwürdigkeit in der Verkündigung der Botschaft des Evangeliums. Daher ist es wichtig, dass wir alle gemeinsam mit dem heutigen Tag entschieden einen Weg der inneren Heilung und des Neuanfangs beginnen.

Dazu ermutige ich Sie, alle Mitbrüder, kirchlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und alle Gläubigen in unserer Diözese von ganzem Herzen. Außerdem wird die Bistumsleitung auch weiterhin an der zügigen und besonnenen, klaren und transparenten Aufarbeitung der gegen den Bischof erhobenen Vorwürfe mitwirken. Nur so kann ein wirklicher Neuanfang gelingen.

Darüber hinaus aber richten wir unseren Blick in die Zukunft unserer Kirche von Augsburg. Wir stehen vor der großen und schwierigen Aufgabe verloren gegangenes und beschädigtes Vertrauen wieder zu gewinnen. Dazu braucht es Zeit. Es gilt jetzt, die Ursachen der Krise zu ergründen und zu benennen. Es braucht Raum zu Selbstkritik, Ehrlichkeit und Selbster-kenntnis. Auch dies ist ein notwendiger Schritt für einen ehrlichen Neuanfang.

Diesen Neuanfang müssen wir auf allen Ebenen der Diözese miteinander wagen. Dies gilt für die Bistumsleitung im Dialog mit den Priestern, Diakonen und kirchlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Diözese. Dies betrifft auch den Dialog der Priester in und mit ihren Gemeinden. Ehrlich, offen und ohne falsche Rücksichtnahme haben wir uns der schwierigen Situation zu stellen. Zugleich sollten wir uns auf unsere Wurzeln besinnen, die uns tragen: den Glauben an die befreiende Botschaft Jesu Christi. Die Besinnung auf Jesus Christus kann uns neu in die notwendige Einheit der Kirche führen und alle Spaltung überwinden. Das Hören auf den Heiligen Geist kann uns helfen, Antwort auf die Frage zu finden, was der Geist Gottes uns in dieser Zeit zu sagen hat. Ich möchte Sie deshalb alle ermutigen in diesem Jahr die Pfingstnovene in unseren Pfarrgemeinden in besonderer Weise für die Einheit unserer Diözese und um einen guten Neuanfang für die Kirche von Augsburg zu beten!

Das Wort des Apostels Paulus ist uns jetzt ein Anstoß und eine Leitlinie. Wir wollen „demütig, friedfertig, geduldig und einander in Liebe ertragend“ miteinander in die Zukunft der Kirche von Augsburg gehen, „bemüht, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der uns zusammenhält.“ (Eph 4, 3) Im Vertrauen darauf, dass Gott alle unsere Wege mitgeht und segnet, bitte ich Sie von Herzen um Ihre Bereitschaft und Ihren Einsatz, sich für eine gute Zukunft unserer Diözese stark zu machen. Ich ermutige Sie vor allem, im Gebet die Sorge um die Zukunft unserer Kirche von Augsburg vor Gott zu tragen. Und – wie Papst Benedikt XVI es formuliert – für die Bewältigung der gegenwärtigen Krise eine neue Vision zu entwickeln, um die Menschen zu inspirieren, das Geschenk unseres gemeinsamen Glaubens zu schätzen und in eine gute Zukunft zu tragen.


+ Weihbischof Josef Grünwald
Diözesanadministrator

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