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Tagtäglich wird der gemeine Leser der Augsburger Allgemeinen belehrt was gut und richtig bzw. schlecht und falsch ist. Nur mit entsprechend zusätzlicher Lektüre ist man in der Lage gewisse Zusammenhänge auch von anderen Seiten zu beleuchten und sich selber eine nicht vorgekaute Meinung zu bilden. Man gewöhnt sich an so vieles. Aber irgendwann platzt einem dann doch mal der Kragen. In der heutigen Print-Ausgabe besagter Lokalzeitung erscheint auf der Dritten Seite ein Artikel von Julius Müller-Meiningen mit der Überschrift Die US-Regierung schwört auf ihre Kontakte zum Vatikan.

Das unmittelbare Beraterumfeld von Donald Trump wird hier, wie man es nicht anders gewohnt ist, einseitig und tendenziös beleuchtet und unter anderem eine unheilige Allianz zwischen Stephen Bannon und Kardinal Raymond Burke heraufbeschworen. Die Worte finster, (rechts-)konservativst, traditionalistisch und kompromisslos fallen in der Beschreibung von deren Tätigkeiten. Natürlich darf der Querverweis auf die Breitbart-News nicht fehlen, ein unschlagbares Totschlagargument heutzutage, jeder weiss ja mittlerweile was für Halunken sich dahinter verbergen.

Würde man das alles mit gutem Willen noch in den eigentlich schon nicht mehr tragbaren Bereich tendenziöser Berichterstattung verweisen, so werfen zwei nebenbei erwähnte Fakten doch die Frage auf, was den Berichterstatter dazu veranlasst, derartige Fake News zu fabrizieren oder zumindest zu übernehmen, woher auch immer.

So behauptet er zum einen, dass Kardinal Raymond Burke in seiner Funktion als Kardinalspatron des Malteserordens, in die er vom Papst abgeschoben worden sei ganz nebenbei, eine Revolte in eben jenem  Orden angezettelt habe. Weitere Einzelheiten? Belege? Fehlanzeige. Die Zusammenhänge in der Affäre um die Absetzung des Grosskanzlers des Ordens, Albrecht Freiherr von Boeselager, sind mehr als undurchsichtig, und es wird noch eine Weile dauern die ganzen Hintergründe in Erfahrung zu bringen. Kardinal Raymond Burke nun mal eben so zum Auslöser dieser Affäre zu machen bedürfte zumindest einer Erläuterung. Es einfach so zu behaupten und in den Raum zu werfen ist populistisch und entspricht klassischen Fake News oder alternativen Fakten.

Noch unverschämter ist aber die Beschreibung des Marsch für das Leben, der vom Autor als eine Demonstration militanter Abtreibungsgegner beschrieben wird. Nicht nur, dass die Augsburger Allgemeine so gut wie kein Wort über diese Demonstration, die in vielen Städten der Welt mit Millionen von Menschen stattfindet, berichtet, nein, nun werden die Teilnehmer auch noch denunziert. Es ist mehr als unverfroren dieser Demonstration Militanz vorzuwerfen. Man mag nun für oder gegen Abtreibung sein, aber jeder, der nur ein kleines bisschen von dieser Demonstration je gesehen oder gehört hat, der weiss, dass nach einer Kundgebung mit verschiedenen Rednern (in Washington zuletzt Vizepräsident Mike Pence, der vom Autor aber auch sofort als evangelikaler Christ in die rechte Ecke gerückt wird) mehrere hunderttausend Menschen friedlich durch die Strassen ziehen, um für das Leben der Ungeborenen zu demonstrieren. In Deutschland findet dieser Marsch sogar als Schweigemarsch statt, es wird allenfalls gebetet. Das Niveau einiger weniger hundert Gegendemonstranten hier in Deutschland ist dahingegen durchaus als militant zu bezeichnen. Das Anspucken der schweigend Marschierenden ist noch die harmloseste Art des Protests. Nur mit umfangreichem Polizeischutz gelingt es den Marsch zum Ziel zu bringen und den pöbelnden linken Mob, der sich zum Teil sogar aus Steuergeldern finanziert (Spenden können abgesetzt werden, diverse linke Gruppierungen querfinanzieren die Aktionen, zu finden bspw. hier oder hier), im Griff zu halten. Diese Tatsachen derart zu verkehren wäre eine Verleumdungsanzeige wert, steht aber beispielhaft für die Fake News, die in den klassischen Printmedien täglich produziert und hunderttausend- bis millionenfach verbreitet werden. Gleichzeitig wird die Schaffung eines Abwehrzentrums für Desinformation vorangetrieben, wo man konsequent die Verbreitung von Fake News durch soziale Medien verfolgen will. Wer schaut nun den grossen Medien auf die Finger?

Ein Leserbrief wäre eine Option, entfällt aber im Licht der Erfahrung, dass mein einziger Leserbrief an die Augsburger Allgemeine vor Jahren nur in Teilen und zerpflückt abgedruckt wurde und seine zentrale Botschaft dadurch völlig verlor. Das Gefühl von Machtlosigkeit macht sich breit. 

Kommentare  

+1 #6 Hiasl 2017-03-07 09:11
zitiere Maxwell:
Das ist ja ein bunter Blumenstrauss an Anschuldigungen. Viel klingt selber nach Fake News. Werden da wirklich Leute bespuckt? Ist das ein Augenzeugenbericht oder aus dem Internet zusammengesammelt? Immerhin hat ein Journalist der Augsburger den Anspruch, recherchierte und belegbare Artikel zu schreiben. Dein Beitrag klingt so, als wäre dem nicht so. Das ist schon eine gravierende Anschuldigung...


Keine Sorge, das ist alles aus unmittelbaren Quellen (persönlich bekannt oder selber erlebt). Mehr will ich dazu nicht hier öffentlich sagen (zur Wahrung der Anonymität und aus Selbstschutz), gerne aber per privater Nachricht, falls Interesse besteht und derartige Funktion hier möglich ist.
0 #5 Kevin Mantellier 2017-03-07 08:12
Der Artikel ist das gleiche Niveau, wie die Presse derzeit:

Einfach mal ein paar Anschuldigungen raushauen, damit sich eine negative Meinung einschleicht, über welches Thema auch immer...

Also bitte liebe Journalisten, nicht klagen, sondern einfach wieder bessere Arbeit abliefern - hier der Müller-Meiningen
0 #4 Maximilain Fischer-Stabauer 2017-03-06 10:54
Das ist ja ein bunter Blumenstrauss an Anschuldigungen. Viel klingt selber nach Fake News. Werden da wirklich Leute bespuckt? Ist das ein Augenzeugenbericht oder aus dem Internet zusammengesammelt? Immerhin hat ein Journalist der Augsburger den Anspruch, recherchierte und belegbare Artikel zu schreiben. Dein Beitrag klingt so, als wäre dem nicht so. Das ist schon eine gravierende Anschuldigung...
+2 #3 Sybille Buchner 2017-02-20 10:24
Fakenews klingt mittlerweile nach Krieg in den Medien, wir befinden uns aber nicht im Krieg! Wir sind eine friedliche Gesellschaft und lassen uns von den Krawallmachern nicht anstecken!
+1 #2 max fischer 2017-02-20 07:10
Diese gezielte Weitergabe von Teilinformationen ist ein riesen Problem in unserer Gesellschaft! Leider stellt man tatsächlich recht oft fest, dass aus Opfern Täter werden - wie bei dem hier angeführten Schweigemarsch. Dazu gibt es im Netz große Sammelaufrufe, den zu sabotieren - warum eigentlich? Wem tun die denn was?
+5 #1 Ute Stabauer 2017-02-19 20:55
Genau so ist dieser Artikel zu verstehen!! Und er reiht sich nahtlos in unsere Mainstream-Medienlandschaft! Was nicht hinein passt, wird nicht berichtet oder passend gemacht.....

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