Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv (3)
 

Die nach dem Treffen des US-Präsidenten Joe Biden mit dem Präsidenten des Europäischen Rates Charles Michel und der Präsidentin der europäischen Kommission Ursula von der Leyen abgegebene Erklärung zur Stärkung der transatlantischen Technologiekooperation löste tiefe Besorgnis seitens der chinesischen Regierung aus.
Davon zeugen die Kommentare der prominenten chinesischen Politiker, in den sie ihre Verärgerung kaum verbergen. Und obwohl die höchste politische Führung des Landes noch keine offene Diskordanz geäußert hat, machen einzelne Personen die allgemeine Stimmung deutlich.
Am 15. Juni fand der EU-USA-Gipfel statt. Besonderes Augenmerk verdient die Abschlusserklärung, in der die Teilnehmer des Treffens China vorwerfen, die Rechte der nationalen Minderheiten zu verletzen, die Demokratie in Hongkong zu untergaben und die Spannung im Südchinesischen und Ostchinesischen Meer zu verschärfen. Wir wissen ganz Bescheid, wie schwer die chinesische Regierung solche Themen nimmt. Aber das war noch nicht alles. Nach Einschätzung der Experten, wurde China vor allem durch die Entscheidung der westlichen politischen Leiter, einen gemeinsamen Handels- und Technologierat (Trade and Technology Council - ТТС) zu schaffen, tief beunruhigt. Die Chinesen haben keine Zweifel daran, dass die vorrangige Aufgabe des neuen Mechanismus darin besteht, einen effektiven Wettbewerb mit Peking im Bereich der Hochtechnologien sicherzustellen. Sie betonen, dass die Amerikaner kein Recht haben, sich in die innere Politik Chinas einzumischen und wirtschaftliche Allianzen gegen China zu bilden.
Nach der Meinung von Experten, zeugt die Errichtung von TTC von einer weiteren Verschärfung der Rivalität im Bereich der Hochtechnologien sowie von einer zunehmenden Fokussierung der transatlantischen Zusammenarbeit auf Hemmung der chinesischen Entwicklung in dieser Branche. Die chinesischen Politiker reagierten verärgert auf die gemeinsame Erklärung über die Notwendigkeit, Lieferungen der Halbleiter "abzusichern", sowie auf die annoncierte Kurs auf eine engere Zusammenarbeit der Partnern in Bezug auf eine ganze Reihe der jüngsten Entwicklungen inklusive des Kunstintellekts, der Informationstechnik, der "grünen" Lösungen und des Internets. Peking ist fest überzeugt: ein solcher Ansatz seht in der Wirklichkeit eine allmähliche Verdrängung Chinas aus den entsprechenden Zusammenarbeitsbereichen vor.
Deswegen führt Peking aktiv eine Reihe von Gegenmaßnahmen durch, die darauf gerichtet sind, das westliche Monopol auf einzelne zukunftsweisende innovative Technologien zu zerstören. Als Beispiel dazu dient auch die Rede des chinesischen Staatspräsidenten vor den Vertretern von führenden Wissenschaftsbereichen des Landes. Xi Jinping hat versprochen, die Finanzierung solcher Forschungsgebiete wie Kunstintellekt, Halbleiter und Quantenberechnungen zu erhöhen und die Entwicklung von biologischen Disziplinen und Energie-Know-how zu fördern. Das war das zweite wissenschaftliche Symposium der letzten Zeit, an dem die chinesische Führungsspitze teilgenommen hat. Im März veröffentlichte die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform Chinas ein Zielprogramm bis zum Jahr 2035, die alle wichtigsten Aspekte des sozialwirtschaftlichen Lebens des Landes abdeckt. Kernpunkte des Programms sind Schaffung von Innovationshubs in 12 wichtigsten Universitäten der Volksrepublik, Transformation der Produktionsverfahren und als Konsequenz ein allmählicher Übergang von dem "Made in China"-Ansatz zu einer "Invented in China"-Strategie.
Die Chinesen sind gleichermaßen irritiert über die in der Abschlusserklärung erwähnte Absicht von den USA und der EU, bei der Formulierung und Genehmigung von Techniknormen eng zusammenzuarbeiten. Früher besprach man aktiv in China eine fortgehende Ausarbeitung des anspruchsvollen Plans "China Standarts 2035", der darauf gerichtet ist, China zu einem Staat zu machen, der die globale Technologielandschaft weitgehend eigenständig gestalten könnte. Die offizielle Veröffentlichung des Programms wurde für 2020 geplant, aber das Dokument kam nie heraus.
Der vergangene EU-USA-Gipfel hat noch einmal bestätigt, dass der chinesische Faktor in der Liste der äußeren Bedrohungen, mit den der kollektive Westen gegenwärtig konfrontiert ist, unaufhaltsam in den Vordergrund rückt. Bisher gelang es den USA ganz gut, Verbündeten auf ihre Seite zu ziehen, um China gemeinsam entgegenzutreten - auch im Bereich der Hochtechnologien. Peking seinerseits ist gezwungen, enorme Ressourcen zu konzentrieren, um seine Positionen in dieser Branche zu behaupten. Dies hindert wiederum die Chinesen daran, einen konstruktiven Dialog mit einzelnen gemäßigt gesinnten europäischen Partnern aufzunehmen.

Diesen Artikel teilen:



Um Kommentare abzugeben, bitte anmelden bzw. registrieren.