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Die Zockersteuer - Deutschlands beliebtes Thema wenn über Schulden, Pleiten und Mißerfolg diskutiert wird. Doch wer ist eigentlich gemeint, wenn von "Zockern" die Rede ist? Sind damit Hedge-Fonds, Publikumsfonds, Banken, Skontroführer, einzelne Börsenhändler, Computerhändler oder Privatanleger gemeint? Im Geiste sieht man sie förmlich vor sich. Junge Burschen, die mit dem Geld nur so um sich werfen und eigentlich keine Ahnung haben was sie tun. Die Liste der Marktteilnehmer ist unendlich lang und wahrscheinlich wird sich von ihnen sowieso niemand richtig schuldig fühlen. 

Die Frage die sich stellt, ist doch eigentlich nicht wer die Zocker sind, sondern wer so dumm ist Ihnen so viel Geld anzuvertrauen.

Die Hauptfunktion der Börse ist die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. Darüber hinaus ermöglicht die Börse den Unternehmen die Aufnahme von Geldkapital. Zu diesem Zweck stellt sie ein Umfeld bereit, das den Firmen die Emission von Wertpapieren ermöglicht.

Zusätzlich bewertet die Börse Unternehmen durch festgestellte Preise einzelner Wertpapiere und spiegelt somit deren Marktwert wieder. Die Preisfeststellung erfolgt durch Skontroführer während der Börsensitzung und wird ständig durch wechselndes Angebot bzw. Nachfrage aktualisiert.

Angebot und Nachfrage am Markt werden durch Kauf - und Verkaufsaufträge generiert. Diese kommen in der Regel von ganz unten - nämlich vom Privatanleger, der entweder selber Wertpapiere kaufen oder einen anderen, evtl. einen Vermögensverwalter oder eine Bank, damit beauftragt das für ihn zu tun.

Informiert ist der "normale" Privatanleger in der Regel schlecht. Er liest in den Zeitungen etwas von Hausse, Baisse oder Stagnation und bekommt dann den klugen Ratschlag so schnell wie möglich noch aufzuspringen und in die Richtung zu investieren die gerade die Mehrheit befürwortet. Hedge-Fonds haben dieses Prinzip verinnerlicht und perfektioniert. Sie investieren in eine Richtung und sichern sich gleichzeitig in die andere ab.

Das ganze System setzt sich also aus einer unendlichen Anzahl von Teilnehmern zusammen, die Informationen sammeln, interpretieren und dann dementsprechend handeln. Das Geld dazu liefert die Allgemeinheit, sprich der Privatanleger, der etwas für seine Rente tun will.


Wo soll man jetzt ansetzen und in diesem Wirrwarr einen Schuldigen suchen? Die Banken, Vermögensverwalter und Berater führen eigentlich nur die Wünsche der Kunden aus - möglichst hohe Gewinne erwirtschaften. Wenn Deutsche-Bank-Chef Ackermann eine 30% - Rendite fordert, ist er dabei nur das Sprachrohr der Anleger, die solche Gewinne von ihm erwarten.

Die Zockersteuer ist an dieser Stelle ein völlig ungeeignetes Instrument, um "Zockerei" in den Griff zu bekommen. Die Kosten dafür werden einfach an den Anleger weitergegeben und der Dumme bleibt am Ende der Privatanleger. Denn wenn jede Transaktion besteuert wird, hat er zusätzlich zu Abschlußkosten auch noch eine Steuer am Hals. Wenn er es dann noch wagt Gewinne zu erzielen - dann kommt der Staat noch ein weiteres Mal und kassiert mit.

Vielleicht sollte man sich weniger über die Bänker aufregen und lieber den Ratschlag von Warren Buffet befolgen - Finger weg von Dingen von denen man nichts versteht! Wenn einer nicht versteht, wie Vermögen in einem Jahr um 200% wachsen können, dann sollte er sich davon distanzieren. Wenn einer aber so gierig ist, dass er daran unbedingt beteiligt sein muss, dann sollte er auch selber die Konsequenzen tragen. 

Wer sind jetzt also die "Zocker"? Die Antwort lautet: jeder von uns. Denn wer hat sich die Jahre vor der Krise nicht über die saftigen Gewinne gefreut, die erwirtschaftet wurden? Man hätte lange genug Zeit gehabt auszusteigen und ein dickes Plus mitzunehmen. Doch im tiefsten Inneren steckt halt in jedem von uns ein kleiner Zocker!  


 

 


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Kommentare  

0 #4 Ernst Probst 2014-07-17 10:27
Für Menschen, die keine Ahnung haben, ist bereits jeder, der eine Aktie kauft, ein Zocker. Übrigens: Gewinne bei Aktienverkäufen werden immer mit 25 Prozent versteuert. Verluste darf man aber zu 100 Prozent behalten.
+9 #3 Fischer-Stabauer 2010-05-20 17:42
um die Allgemeinheit zufrieden zu stellen langts aber! Und nur das zählt in solchen unsicheren Zeiten!
+10 #2 fischer-stabauer 2010-05-20 14:46
Interessanter Artikel!
Gefällt mir.
+9 #1 Gerhard Schönfelder 2010-05-20 14:09
Das ist endlich mal ein Artikel, den wohl jeder kleine Anleger versteht! Da sieht man mal, wie unsere Informationspolitik die Bevölkerung dazu veranlasst sich hämisch zu freuen, wenn sie selbst noch ein paar Steuern mehr zahlen darf.

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