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Aloysius Paulus Maria „Louis“ van Gaal gegen José Mário dos Santos Félix Mourinho

Da kommt man ja nicht gleich darauf, dass es sich um ein Fußballspiel handelt. Oder besser gesagt, um eines der größten Spiele des Jahres für eine deutsche und italienische Mannschaft. Oder heißt es hier in Wirklichkeit Holland gegen Portugal?

Eine große deutsche Tageszeitung fragte einmal nach, woher dieser Biss von van Gaal wohl kommt. Es wurde mit dem Wesen der Holländer begründet, nach jahrhundertelangem Kampf gegen die Fluten und verbissenem Bau von Dämmen, Deichen, Kanälen und Wohnwagen - im Zweifel halt schnell weg - hat sich ein starker Wille herausgebildet. Den konnte selbst der bayerische Fanzorn nach anfänglichen Misserfolgen beim FC Bayern nicht ins Wanken bringen. Mehr noch, er ebbte wie an einem Deich ab und kam nicht mehr wieder! Das Ende vom - bisherigen - Lied ist, dass das ganze wankelmütige Fanvolk am Marienplatz in München dem holländischen Deich zujubelte, und selbst Oberbürgermeister Ude, gleichzeitig Aufsichtsrat des belächelten Lokalrivalen TSV 1860 München, mittanzen musste, was das Zeug hält.



Auf der anderen Seite der Portugiese Mourinho, der wie ein Kolonialherr durch Mailand fegt. Was ist eigentlich ein Kolonialherr? Ein Kolonialherr ist ein Herrscher, der einer fremden Kultur entstammt, welche sich nicht anpassen möchte, und über sein zahlenmäßig weit überlegenes Volk Entscheidungen fällt, die nur seinen eigenen Vorstellungen entsprechen. Er stützt sich dabei auf seine Überlegenheit, die ihm, aus welchem Grund auch immer, gewiss ist. Wie ein Kolonialherr zieht der kleine Portugiese also durch die Metropole Mailand und schwingt große Reden. Die Italiener, wenn sie nicht gerade über seine Erfolge jubeln, schnauben jedes mal vor Wut, wenn er entweder dem offiziellen Siegerfoto der Meistermannschaft fernbleibt, ein Interview gibt, dass er sich in Italien nie wohl gefühlt habe, oder ein paar Tage vor dem großen Finale in der Champions League mitteilt, dass er viel lieber Real Madrid trainieren wolle. Leider sind ihnen die Hände gebunden, sie müssen ihm weiter Tribut zollen, wollen sie von seinem Fußballsachverstand so lange wie möglich profitieren - es scheint sonst ja schließlich nicht so übermäßig viel davon zu geben in dem Land.



Wer aber meint, der Kolonialherr wurde von Geburt oder Abstammung profitierend eingesetzt, hat sich getäuscht. Er musste erst einige harte Lehrjahre bei dem zuerst beschriebenen Holländer Louis Van Gaal in Barcelona absolvieren. Da arbeitete er eifrig und strebsam und die beiden bemühten sich Seite an Seite, dass Van Gaal die Lorbeeren ernten konnte. Das passierte leider in Barcelona nicht so häufig, Van Gaal musste gehen, sein Adjutant hatte die Lehrjahre sowieso satt und machte sich in sein Heimatland auf, es seinem ehemaligen Herrn gleichzutun und die Champions League zu gewinnen. Der Holländer hatte bereits 1995 mit einem Club aus seiner Heimat - Ajax Amsterdam - die höchste europäische Clubtrophäe gewonnen. 2004 sollte es soweit sein und Mourinho gewann, nachdem er schon im UEFA-Pokal 2003 triumphiert hatte, mit seinem damaligen Verein FC Porto auch die Champions League. Beide nahmen weitere Anläufe, ohne sich weiter zu begegnen, die jedoch allesamt scheiterten.

Nun stehen die beiden sich am Samstag, den 22.05.2010 in Madrid gegenüber und jeder möchte natürlich von den beiden wissen, wie ihr Verhältnis zueinander ist. Van Gaal beantwortete es auf der heutigen Pressekonferenz locker, dass er bessere Freunde in Holland habe, mit denen er sogar schon im Sandkasten gespielt habe und nicht nur auf dem Fußballplatz. Aber er schätze Mourinho, dem habe er ja schließlich doch das ein oder andere beigebracht. Mourinho gibt sich überlegen, er werde sich nicht von seinem ehemaligen Vorgesetzten - einen Lehrmeister hat ein Mourinho ja nicht nötig gehabt - in Bockshorn jagen. Seine hohe Meinung über den FC Bayern drückt er damit aus, dass selbst sein angegrauter argentinische Aussenverteidiger Zanetti den bayerisch-holländischen Flügelflitzer Robben locker aus dem Spiel nehmen könne, natürlich schätzt auch er Van Gaal sehr.

Welcher der beiden Trainer wird es nun schaffen sein Gastgeberland zum ersten mal mit einem großen Triple, das beinhaltet den Gewinn von nationaler Meisterschaft, Pokal und Champions League, zu beglücken? Wer wird der dritte Trainer nach Ernst Happel, 1979 mit Feyenoord Rotterdam und 1983 dem Hamburger SV, und Ottmar Hitzfeld, 1997 mit Borrussia Dortmund und 2001 mit Bayern München, der mit zwei verschiedenen Clubs die höchste Trophäe des europäischen Vereinsfußball gewinnt?

Wird es der knorrige, aber feierwütige Holländer Van Gaal, oder der selbstverliebte und von Feiern gelangweilte Portugiese Mourinho - unglaubliche Jubelposen im Stadion lassen wir hier einmal außen vor?

Man darf gespannt sein, eine große Ähnlichkeit haben die beiden auf jeden Fall, es ist ihnen völlig egal gegen wen, Hauptsache sie gewinnen - und das mit Spektakel! 

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