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Wollte man vor fünfhundert Jahren jemandem eine Nachricht zukommen lassen, so musste man selbst zu dieser Person reisen oder einen Boten schicken. Seit dem letzten Jahrhundert wurde das Telefon immer weiter verbessert, sodass man schon bald die meisten Menschen aus einer beliebigenEntfernung sofort kontaktieren konnte, insbesondere seit der Erfindung des Mobiltelefons.
Heutzutage kann man dank Instant Messaging Nachrichten versenden, ohne dass der Empfänger zu diesem Zeitpunkt überhaupt erreichbar sein muss. WhatsApp, Facebook, Twitter etc. haben die oben genannten Kommunikationsmittel abgelöst und nur noch selten wird zum Telefon gegriffen. Wir müssen unser Haus nicht mehr verlassen, um etwas zu sehen, dafür sind Videos und Bilder bei Diensten wie Youtube oder Instagram völlig ausreichend. Man kann sich sogar Gegenstände und Lebensmittel per Onlineversand nach Hause schicken lassen und für die Recherche ist Wikipedia wesentlich effizienter als eine Bibliothek.
 Aber im Schatten lauert eine Gefahr für das Individuum: Follower, Abonnenten und Flammen werden für viele Menschen wichtiger als persönliche Freunde, Algorithmen verfolgen unsere Aktivitäten und liefern uns angepasste Werbung und Influencer sagen uns, was wir mögen oder nicht mögen sollen.
 Da stellt sich doch die Frage: Wie kann man in der digitalen Gesellschaft autonom bleiben oder es (wieder) werden?
 
Offensichtlich ist wohl, dass man selbst darüber nachdenken sollte, was man möchte. Wenn du dir diesen Mantel kaufen möchtest, dann tu das auch, und wenn dieser YouTuber sagt, dass der Mantel von einer anderen Marke viel besser sei, dann lass dich dadurch nicht davon abhalten (es sei denn, du vergleichst die beiden und kommst dann selbst zu dem Schluss, dass er recht hat). Was für Influencer gilt, ist auch auf Werbung anzuwenden: Lass sie für dich nur die Information sein, dass dieses Automobil existiert und vergleiche dann selbst die verschiedenen Fahrzeuge, aber kaufe kein Auto, nur weil dein Lieblingsschauspieler für die Werbung engagiert wurde, und nehme nicht an, dass es besser ist als andere, bloß weil die Werbung es behauptet.
 
Hans Magnus Enzensberger geht in seinem Artikel „Wehrt Euch“, am 28.02.2014 in der FAZ veröffentlicht, noch viel weiter und verlangt unter anderem, dass wir uns unserer Mobiltelefone entledigen, kostenlose Angebote ausschlagen, Versand und sogar Dienstleistungen per Internet (alsoquasi das gesamte Internet) boykottieren und nur noch persönlich mit Menschen kommunizieren.
 Meiner Meinung nach ist dies zu viel des Guten: Handys haben auch Vorteile und wenn etwas kostenlos ist und man nicht zusätzlich zu seinem Passwort auch den Namen des Hundes und des Chemielehrers der dritten Klasse angeben muss, dann ist auch das nichts Schlechtes. Insgesamt hat Enzensberger zehn Regeln genannt, die einem ermöglichen, autonomer und ohne die Sammlung dereigenen Daten zu leben. Eigentlich sind es nur neun, die neunte Regel ist keine Regel, sondern nur ein Kommentar, dessen inhaltliche Richtigkeit mehr als fragwürdig ist. Diese neun bzw. zehn Regeln sind jedenfalls alle übertrieben und die „Probleme“, die Enzensberger sieht, lassen sich sehr viel einfacher und komfortabler lösen als durch das Verweigern großer Teile der modernen Technologie.
 
Ein Problem, welches viele Menschen wohl dabei, autonom zu werden, haben, ist Konformität: Man hat Angst, ausgegrenzt zu werden, wenn man einen Film nicht mag oder gerne eine bestimmte,ungewöhnliche Musikrichtung hört. Deshalb passt man sich an und tut so, als möge man den Film. Das nennt man dann Gruppenzwang oder – weniger offensiv – Mainstream. Durch Influencer auf Social Media-Plattformen können sich neue Modeerscheinungen oder Meinungen sehr viel leichter verbreiten und man wird leichter zum Außenseiter, wenn man ihnen nicht folgt.
 Es ist ratsam, seinen Freunden ihre Meinungen zu lassen, auch wenn man etwas anderes denkt, allerdings sollte man bei seiner eigenen Meinung bleiben und sie gerne auch kundtun. Bei dem Beispiel mit dem Film heißt das: Sagt ihnen ruhig, dass ihr ihn nicht mögt, aber versucht nicht, eure Freunde dazu zu bringen, ihn ebenfalls nicht zu mögen.
 
Kurz gefasst kann ich also sagen: Lasst euch durch Social Media und Werbung nicht beeinflussen. Wenn ihr etwas mögt, dann macht es euch zu eigen, wenn nicht, dann lasst es.

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