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Bundespräsidentenwahl am Mittwoch, da die WM an diesem Tag Pause macht! Wer hat es verdient den höchsten Repräsentanten des Staates zu stellen? Politische Profis entern Schloss Bellevue.



Es liest sich etwas dekadent, dass der Bundespräsident extra an einem Tag gewählt wird, an dem die WM Pause macht, damit diesem ehrwürdigen Amt die nötige Aufmerksamkeit zuteil wird. Die deutsche Politikspitze hat also Angst, dass der Bevölkerung ein Fußballspiel wichtiger ist, als die Wahl des höchsten deutschen Staatsmannes. So unrecht werden sie damit nicht haben und zeigen damit auf, wie weit die Politikverdrossenheit mittlerweile fortgeschritten ist.

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Würde dieses Amtes harvorgehoben wurde und man sich nur durch höchste Integrität für dieses Amt qualifizieren konnte. Auf der einen Seite ist der objektiv würdige Kandidat Joachim Gauck, der sich als Jäger der Stasi-Verbrecher einen Namen gemacht hat, ein reifes Alter erreicht hat und allseits geachtet und geschätzt wird. Auf der anderen Seite ein Politikprofi mit Namen Christian Wulff, der jahrelang Ministerpräsident von Niedersachsen war, immer wieder als innerparteilicher Gegenkandidat von Angela Merkel ins Gespräch gebracht wurde und nun im besten Politikeralter nach Berlin gelobt werden soll.



Beide Parteien disqualifizieren sich eigentlich bei dieser Wahl der Kandidaten!

SPD und Grüne haben eine gute objektive Wahl getroffen, allerdings nur im Kalkül, den allseits beliebten Gauck als Kandidaten durchzuboxen und der Bundeskanzlerin eine Niederlage zu verpassen. Der letzte Bundespräsident, den die SPD bestimmte war schließlich mit Johannes Rau auch ein verdienter Parteisoldat, wie nun Christian Wulff. Parteichef Sigmar Gabriel von der SPD möchte die gute Stimmung für Gauck in der Öffentlichkeit äußerst dreist für bessere Reputation seiner stark angeschlagenen Partei nutzen. Er wird in der Süddeutschen zitiert, dass Gauck eine reelle Chance hätte, wenn nicht CDU und FDP aus der Wahl eine Deligiertenversammlung machen würden, hier zeige der Parteienstaat seine Fratze. Wie darf man da verstehen, dass gerade dieser Sigmar Gabriel vor nicht langer Zeit den ehemaligen Bundesminister Wolfgang Clement als Verräter seiner Partei beschimpfte und aus der SPD verjagte? Clement hatte sich öffentlich gegen die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti in Hessen ausgesprochen, da diese dem Land im Wahlerfolg schaden würde. Was war denn das für eine Parteifratze, wo darf man jetzt seine eigene Meinung vertreten und wo muss man der Partei gehorchen?



Die CDU hat sich ebenso disqualifiziert, da sich stark der Verdacht aufdrängt, dass Angela Merkel jeden, der Ihren Platz in der CDU-Spitze einmal gefährden kann, aus dem Weg räumt. Nach Merz, Koch und wahrscheinlich auch Köhler ist nun Wulff dran, auch wenn der mit dem neuen Amt sicher gut leben kann.

Zurecht macht sich in der Öffentlichkeit die Diskussion breit, warum der höchste deutsche Staatsrepräsentant nicht von der Bevölkerung direkt gewählt wird. Dann hat es ein Ende, dass Politikprofis sich eines Amtes bemächtigen, dessen sie nicht gerecht werden. Das Amt des Bundespräsidenten darf keine letzte Stufe in der Karriereleiter sein, sondern soll die Belohnung einer würdigen Person sein, die von der Mehrheit eingesetzt und für geeignet empfunden wird.

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