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Das Saarland stimmt gerade darüber ab, ob die Grundschulzeit von vier auf fünf Jahre erhöht werden soll. Gleichzeitig untersucht Hamburg eine Ausweitung der selben Schule auf sechs Jahre. Die Sueddeutsche Zeitung spricht in diesem Zusammenhang von "pädagogischen Wursttheke: darfs ein bisschen mehr sein?"



Überall ist die Rede von europäischen Standards. Die Universitäten müssen die Diplom- und Magisterstudiengänge abschaffen und die verschulten Systeme unserer angel-sächsichen Nachbarn übernehmen, um überall in Europa und dem Rest der Welt die gleichen Abschlüsse zu produzieren. Die Schulen machen es genau anders herum. Dort hat man bald nicht einmal mehr in Deutschland den gleichen Abschluss.

Was soll dieser Einheitsbrei eigentlich bewirken? Sollen alle, die noch Diplome oder Magisteverliehen bekommen haben für dumm verkauft werden? Deutschlad hat in den Jahren seit dem Weltkrieg ein gigantisches Wachstum hingelegt und gilt nach wie vor als das Land der Ingenieure schlecht hin. Ist das alles zu schlecht für die heutige Zeit? Müssen wir, um konkurrenzfähig zu bleiben tatsächlich unser ganzes Bildungsystem jedes Jahr auf den Prüfstand stellen? Den Schaden haben die Schulkinder und Studenten. Vielleicht wäre es sinnvoll erst konkrete Neuerungen an den Schulen Bundesweit zu diskutieren und dann verbindlich für die nächste Generation in die Praxis umzusetzen. Was heute in der Schulpolitik vor sich geht ist lediglich ein hecktisches Rumgetue, um zumindest irgendetwas gegen das schlechte Abschneiden bei den fragwürdigen Pisastudien zu unternehmen. Wichtig wär an dieser Stelle den Bürgern und vor allem den Kindern Sicherheit zu geben und sie nicht als Versuchskarnickel von der einen in die andere Richtung zu jagen.

Im letzten Semester stieg die Zahl der Studenten in Deutschland um satte sieben Prozent. "Hurra" schreit die ganze Regierungsmannschaft - "oje" seufzen die Professoren. Was von den einen als Erfolg ihrer Politik und Neuerungen gefeiert wird, wird von den anderen als Niedergang der Qualität bedauert. Zwar ist der Hörsaal in der Uni doppelt so voll wie vor ein paar Jahren, dafür treiben sich dort aber haufenweise Leute herum, die besser etwas ganz anderes gemacht hätten. Die Regierung hat sich in diesem Zusammenhang eindeutig entschieden. Man will Quantität und nicht Qualität. Wenn nur jeder endlich ein Bachelor, Master oder Doktor ist, dann wird endlich Schluss sein mit den Ungerechtigkeiten in Bezahlung und Ansehen. So denkt man zumindest. Aber mal ehrlich - wer genießt denn heute mehr öffentliches Ansehen - der Landwirt mit 100 Hektar Eigenbesitz und dem Stall voller Kühe oder der promovierte IT - Futzi der Allianz?

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Kommentare  

+3 #1 Patrick Hartmann 2010-07-16 05:46
Das Prinzip der "modernen" Bildungspolitik ist schnell erklärt: Man einigt sich auf das niedrigste Niveau, das kann jeder halten.

Analog kann sich jeder ausmalen, wie schnell eine Gruppe als solche ein Rennen läuft: So schnell wie der Langsamste, nahezu unabhängig davon, wie fit die anderen sind.
Das scheint das Ziel der "sozialromantischen" Bildungspolitik sein, dass die starken die schwachen mitziehen, dabei eigene Verluste in Kauf nehmen und im schlimmsten Fall sogar diejenigen in der Gruppe haben, die eigentlich gar nicht laufen wollen oder sogar in die entgegengesetze Richtung losstarten.
Damit blockieren wir nicht nur den Lernerfolg derjenigen, die malen müssen, während ihren Klassenkameraden die elementaren Regeln der deutschen Grammatik (auch Nicht-Migranten!) oder mathematische Grundregeln erklärt werden. Wir senken damit auch systematisch die Leistungsfähigkeit derjenigen, die später als Eliten (was für ein verpöntes Wort!) mit Innovationen Arbeit und Wohlstand im internationalen Wettbewerb behaupten. Und das wäre das eigentlich Soziale!

Auf unser Schulsystem wird viel geschimpft, obwohl sämtliche Studien belegen, dass eine frühere Trennung der Schüler eine individuellere Förderung ermöglicht und damit den Output signifikant erhöht.
Angezweifelt wird das aber nur von denjenigen, die aber ihre eigenen Kinder trotzdem auf private Gymnasien schicken. Da krieg ich einen Hass: Populistisch wider besseren Wissens einen vermeintlich gern gehörten Unsinn in Form einer Gesamtschule fordern und allen aufzwingen, aber bloß nicht den eigenen Kindern! Solche Menschen taugen nicht als Vorbilder oder für öffentliche Ämter und gehören einfach nur bestraft.

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