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Nun ist also geschehen, was selbst ‎323.825 Facebook-Freunde und die Bild-Zeitung nicht mehr zu verhindern wussten: der Politsuperstar Karl Theodor zu Guttenberg hat heute Vormittag seinen Rücktritt erklärt. Nie zuvor hat ein Rücktritt eines Politikers Anlass für derart viele Diskussionen gegeben und niemals war die mediale und plebiszitäre  Reaktion darauf so groß wie im Falle zu Guttenberg. Nun sind viele der Ansicht, er sei das Opfer einer initiierten politischen Hetzkampagne geworden und beharren vehement auf einer Trennung von politischem Amt und der Privatperson zu Guttenberg. Zu Unrecht, wie ich finde.Fakt ist, zu Guttenberg hat  an vielen Stellen seiner Dissertation ein astreines Plagiat (= unrechtmäßige Nachahmung und Veröffentlichung eines von einem anderen geschaffenen künstlerischen oder wissenschaftlichen Werkes; Diebstahl geistigen Eigentums) angefertigt. Eine Verharmlosung dieses Vorgehens getreu dem Motto „ Jeder hat doch schon mal abgeschrieben“ ist indes nicht angezeigt. Das geistige Eigentum steht in der deutschen Rechtsordnung dem sonstigen Eigentum nämlich nicht subsidiär gegenüber, sondern ist diesem gleichgestellt, was  u.a. die Existenz des Urhebergesetzes und des Patentgesetzes zeigt. So ist in § 106 UrhG Folgendes normiert:

(1)   Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wie schon das Strafmaß zeigt, handelt es sich hierbei nicht, wie von vielen proklamiert, um ein Kavaliersdelikt. Vielmehr stellt die vorsätzliche Verwirklichung dieses Tatbestands eine Straftat dar. Dies zu negieren, nur weil es sich um einen außerordentlich beliebten Politiker handelt, stellt eine Herabstufung des Wertes eben jenen geistigen Eigentums und dessen wahren Urhebers dar. Angesichts der vielen abgeschriebenen Stellen vermag inzwischen wohl auch der größte Optimist nicht mehr an ein Versehen zu Guttenbergs zu glauben.

Es ist traurig, ein zweifelsohne großes politisches Talent nun so abzutreten zu sehen, aber letzten Endes wird zu Guttenberg nur so seinen eigenen Ansprüchen bzgl. seiner so oft propagandierten Werte wie Altheia (Wahrheit) und Anstand gerecht. Gemessen an diesen Anprüchen hat zu Guttenberg heute mit seinem Rücktritt wohl genau die richtige Konsequenz aus seinem Handeln gezogen. Ansonsten hätte er eines Tages als oberster Dienstherr vor seinen Rekruten gestanden und hätte jene Altheia mit der Gorch Fock versenken müssen. Zum Schluss wäre zumindest das wohl zuviel des Gut(t)en gewesen. Adel verpflichtet – so mag der Volksmund dies nun vielleicht etwas zu einfach zusammengefasst von sich geben. Auch die Vergleiche mit einem steinewerfenden Ex-Außenminister werden bemüht werden - vielleicht nicht zu Unrecht.Aber dabei sollte eines bedacht werden: zu Guttenberg war im Zeitpunkt seines "Vergehens" bereits Mitglied des Bundestags - ein Fakt, der eben jene Trennung von Mandat und Privatperson fast unmöglich macht, zumal zu Guttenberg es als Jurist hätte besser wissen müssen!

 

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