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In letzter Zeit war es ruhig geworden um den ehemaligen Berliner Finanzsenator und Vorstand der Bundesbank. Nun meldet er sich mit einem neuen Buch zurück und schlägt erneut hohe Wellen, vor allem in der eigenen Partei.

 bild bei nosvox

 „Europa braucht den Euro nicht“ – heißt das neue Werk. Sarrazin versucht nachzuweisen, warum gerade Deutschland den Euro nicht gebrauchen kann, er geht sogar soweit, dass er mehr Schaden als Ertrag bringt. Wie schon in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ stützt er seine Thesen vor allem aus Statistiken und leitet daraus die Zukunft ab, die in seinen Erläuterungen alles andere als rosig aussieht.

 

Wir haben hier einen Mann, der auf eine lange Karriere in der Politik zurückblicken kann. Nach seinem Volkswirtschaftsstudium durchläuft er mehrere Stationen im Bundesfinanzministerium. Er geht früh als Referent  zum Internationalen Währungsfonds nach Washington D.C. und ist danach Büroleiter der ehemaligen Finanzminister Matthöfer und Lahnstein. Nach dem Regierungswechsel 1982 leitet er mehrere Referate im Ministerium, wird schließlich Berliner Wirtschaftssenator und zum Höhepunkt und gleichzeitigen Ende der Karriere Vorstand der Deutschen Bundesbank. Kurzum handelt es sich also um einen Mann mit sehr großer Erfahrung im Finanzsektor.

 

Bekannt wurde er der breiten Öffentlichkeit vor allem durch seine ironischen und spöttischen Bemerkungen über die Geldsorgen von Hartz IV-Empfängern, die es seiner Meinung nach mit einem warmen Pullover probieren sollten, wenn sie kein Geld zum heizen haben und deren geringstes Problem das Untergewicht darstellt. Die Öffentlichkeit lachte, da man solche Sprüche von Politikern nicht gewöhnt ist, die Interessensverbände protestierten aufs schärfste. Erste Stimmen machten sich in der SPD breit, dass solche Äußerungen nicht zu einem Sozialdemokraten passen, aber großer Protest blieb aus.

 

Dann kam sein islamkritisches Buch auf den Markt und der Aufschrei der Empörung war gewaltig. Nicht nur Kanzlerin Angela Merkel  als Vorreiterin zeigte sich erbost, ohne überhaupt den Inhalt des Buches zu kennen. Die SPD protestierte so stark, dass sogar ein Parteiausschlussverfahren angestrengt wurde, was aber keinen Erfolg hatte. Das Buch wurde ein großer Erfolg und verkaufte sich in nicht für möglich gehaltener Auflage. Zähneknirschend musste die Politprominenz in die von Sarrazin angestoßene Islamdiskussion einsteigen, vertrieb den damaligen Bundesbankvorstand aber aus seinem Amt und versuchte ihn abzukanzeln, soweit das in dem Trubel um ihn möglich war.

 

Nun stöhnen die politischen Würdenträger in Deutschland quer durch die Fraktionen laut auf, da sie eine neue derzeit ungewünschte Diskussion auf sich zurollen sehen.  Ohne auf seine Argumente über Vor- und Nachteile des Euros einzugehen wird erst nach anderen Möglichkeiten gesucht, wie man Sarrazin irgendwie ins Abseits stellen und die Diskussion im Keim ersticken kann. So wird Sarrazin gerne als Fremdenhasser und Antisemit hingestellt. Hier muss allerdings die Frage erlaubt sein, ob ein Antisemit die osteuropäischen Juden mit einem im Durchschnitt 15 Prozent höheren Intelligenzquotienten bewerten würde als die deutsche Bevölkerung?

 

Warum wird jede Sarrazin-Debatte in unserer Gesellschaft unterbunden? Unsere Gesellschaft rühmt sich für die freie Meinungsäußerung, die jedem zusteht, es wird keine Diskussion gescheut und jedem Querdenker, der sich gegen alte Traditionen auflehnt wird lauthals gehuldigt. Sarrazin aber wird in die Ecke eines Volksfeindes gestellt.

 

Jede Debatte die unterbunden wird, ohne dass der Versuch unternommen wird sie argumentativ ins rechte Licht zu rücken, hinterlässt einen faden Beigeschmack der Vertuschung. In seiner Dissertation über wirtschaftliche Probleme der Wirtschaftsgeschichte argumentiert Thilo Sarrazin unter dem Blickwinkel des kritischen Rationalismus. Diese philosophische Denkrichtung vertritt die Lebenseinstellung „die zugibt, dass ich mich irren kann, dass Du Recht haben kannst und dass wir zusammen vielleicht der Wahrheit auf die Spur kommen werden“.

 

Der Fachmann Dr. Sarrazin, dessen teilnahmslos scheinende Gesichtszüge einer Gesichtslähmung infolge einer Krebsoperation geschuldet sind,  wird wohl nicht die letzte Debatte angestoßen haben, die alles andere als sachlich geführt wird, obwohl kritischer Rationalismus durchaus angebracht wäre.

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