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www.hubertuserklärung.de

Die wahren Grünen

Die bayerische Semantik kennt eine eigene Formulierung für kosmopolitische Weitsichtigkeit: "außerhalb des Weißwurstäquators". Innerhalb dieses Äquators ticken die Uhren bekanntlich a bissal anders. Doch wer kennt nicht das Gefühl, gemütlich sitzend auf einem Kanapee, das Licht fällt in die Wohnung, der Holzboden würde knarzen wenn man drauf läuft, es ist ruhig, Stille, kein Lärm, kein Verkehr, die Zeit scheint still zu stehen, draußen ist draußen, man hört nur die alte große Uhr an der Wand. Ja, dass ist irgendwie malerisch, also was ist verkehrt daran?
Ein Haken muss es doch immer geben? Das selbe frägt man sich doch auch bei dieser "Hubertuserklärung". Ein Präsident der Jäger, ehemaliger bayerischer Landtagsabgeordneter, ein Vertreter der Königsfamilie und weitere Herren aus alten Häusern in Bayern, dazu eine "breite Bürgerallianz" mit Verbänden wie den Sportschützen, Trachtlern oder auch dem Gartenbauverein. Gemeinsam verkündet dieses bajuwarische Bündnis den "Klageruf des Wildes". Ein Paradigmenwechsel wird gefordert: Heimat für Wildtiere, Wald mit Wild, jagdliche Hege wird als Wildtiermanagement positioniert, Jagd wird als uraltes Handwerk hervorgehoben. Es ist schon interessant, was da im boarischen Ländle passiert. Man könnte nun sagen der Haken hierbei ist, das der Waldbesitzer Verband nicht an der Erklärung, die mit einer Unterschriftenaktion gekoppelt ist, beteiligt ist. Doch das stimmt eigentlich nicht. Die Verkünder sind teilweise selbst Waldbesitzer und auch Mitglieder im Waldbesitzerverband. Das Gleiche gilt übrigens auch für den schwergewichtigen Koloss des Pluralismus, dem Bauernverband. Doch moment, geht es nicht um Schutz der Wildtiere? Dann hat die Sache doch einen Haken. Wo ist der Tierschutz, wo ist der Naturschutz? Jagen und Tierschutz, kann man das vereinbaren? Aber ganz ehrlich, diesem Haken fehlt der Widerhaken. Bestimmt sind hier auch Tierschützer und Naturschützer zu finden.
Rechnet man die Verbände und ihre Mitglieder zusammen, haben wir rund 1,6 Millionen Bürger die zu dieser Erklärung stehen. Das sind rund ein Zehntel der Bürgerinnen und Bürger Bayerns. Das kann man schon als Volksbewegung bezeichnen. Liest man sich die Inhalte der Hubertuserklärung durch, dann ist sie "political correct" formuliert. Oder man findet nichts, was gegen den kategorischen Imperativ Kants spricht. Der einzige Haken der jetzt vielleicht noch bleibt, wäre das diese Erklärung ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Das wäre schade. Aber auch diesem Haken, sollte man seine Schärfe nehmen. Die Resolution ist verkündet. Man hat sich ausgesprochen für die Sache und das ist ein Schritt nach vorne. Bewusste Artikulation beinhaltet immer auch "Verstehen" und dass sollte ein Fortschritt in die richtige Richtung sein. Man kann viel schlecht reden, aber man kann einfach auch mal was gut heißen. Es gibt außerhalb der Bayerischen Grenzlinien sicher auch genügend Wildtiere, wir kennen Sie alle aus dem Fernsehen oder dem Urlaub. Elefanten, Giraffen, Löwen, Pinguine, Eisbären etc. Doch wer kennt noch den Wisent, Elch, Rothirsch, Auerhahn, Birkhahn oder den Steinbock? Gut, alles Tiere die die Jäger erlegen wollen, ja ok, aber bitte die Nachhaltigkeit hierbei nicht vergessen. Der Jäger will nachhaltig wirtschaften, sonst fehlt ihm doch die Grundalge um überhaupt jagen zu können.
Es stimmt, mit dieser Erklärung treten die Jäger und ihre Freunde als Anwälte für die Wildtiere und ihre Heimat ein. Das ist nicht verkehrt. Der Haken wäre also, das die Politik und die Gesellschaft nichts unternimmt, etwas für die Wildtiere zu tun. Es gäbe nämlich unzählige Möglichkeiten: vernetzte und vielgestaltige Lebensräume schaffen, Artenschutzprogramme starten, Grünbrücken bauen, Biotope schaffen und vieles mehr. Das wären die richtigen Konsequenzen. Man kann in diesem Zusammenhang den Jägern nicht vorwerfen, dass sie sich nicht für die Dinge aussprechen und einsetzen. Heureka! Jetzt haben wir den Haken! Die Jäger sind die wirklichen Grünen, wer hätte das gedacht.  

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