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Rüttgers taucht ab, Rote, Grüne, Linke jubeln

Auf eine Stellungnahme von Jürgen Rüttgers mussten die Wähler lange warten, bei der Elefantenrunde im WDR Fernsehen ließ er sich vertreten. Freude dagegen bei den Vertretern von SPD, Grünen und Linken. In die Begeisterung mischte sich aber auch Vorsicht: Wer mit wem koalieren kann, steht noch lange nicht fest. 

Die nächste Ministerpräsidentin?

Eine knappe halbe Stunde nach den ersten Meldungen trat SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft vor ihre Anhänger. "Schwarz-Gelb ist abgewählt", rief sie unter dem Jubel der Menschen. "Wir haben eine tolle Aufholjagd hingelegt." Eine Botschaft gehe jetzt aus von Nordrhein-Westfalen: "Die SPD ist wieder da!" Sie mahnte aber auch, dass noch kein endgültiges Ergebnis vorliegt. "Es wird eine lange Nacht, drückt die Daumen: Stärkste Partei und rot-grün regieren: Das ist das, was wir für Nordrhein-Westfalen wollen."

Auch Michael Groschek, Generalsekretär der NRW-SPD, freute sich: "Das war ein großer Erfolg. Die nächste Ministerpräsidentin wird Hannelore Kraft sein, davon bin ich fest überzeugt." Zum möglichen Koalitionspartner: "Die Grünen sind und bleiben unsere Wunschpartner." Und weiter: "Wir werden die Gespräche ohne jede Nervosität führen. Noch ist längst nicht aller Tage Abend."

Rüttgers: "Ein bitterer Abend"

Rüttgers übernimmt die Verantwortung

45 Minuten nach Bekanntwerden der Prognose stellte sich Jürgen Rüttgers auf das Podium. "Dieser Wahlabend ist für die CDU in Nordrhein-Westfalen, auch für mich persönlich, ein bitterer Abend." Es sei wohl so, dass ein Bündel von Ursachen zu diesem Ergebnis geführt habe, "und darüber werden wir reden müssen." Einen knappen Wahlsieg schloss er aber nicht aus: "Wir warten ab, wer die Nase vorn haben wird." Rüttgers betonte, er übernehme persönlich die Verantwortung für die Niederlage. Der Vorstand habe ihn gebeten, "für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Das will ich auch tun, weil ich zutiefst überzeugt bin, dass es wichtig ist, dass Nordrhein-Westfalen weiter stabil regiert wird. Und das kann nicht mit extremistischen Parteien passieren." An der so genannten Elefantenrunde im WDR Fernsehen nahm Rüttgers nicht teil - wegen anderer Termine, wie Armin Laschet sagte, der ihn dort vertrat.

Zu dem Gerücht, Rüttgers habe dem Parteivorstand seinen Rücktritt als Landesvorsitzender angeboten, sagte der CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid: "Es gab die klare Meinung, dass Rüttgers das Amt weiter ausüben soll."

Der Innenexperte der Union in Berlin, Wolfgang Bosbach, räumte die klare Niederlage ein: "Das ist ein in jeder Hinsicht enttäuschendes Ergebnis." Die CDU, so der Abgeordnete des Rheinisch-Bergischen Kreises, habe nicht nur ihr Wahlziel "nicht nur nicht erreicht, sondern klar verfehlt". Das Ergebnis habe nichts mit der "hervorragenden Leistungsbilanz" der CDU zu tun, sie habe aber keine Rolle im Wahlkampf gespielt. "Das ist das Problem der CDU."

Grüne: "Wir sind die Königsmacher"

Sylvia Löhrmann, Fraktionschefin der Grünen und Spitzenkandidatin: "Wir sind die Königsmacher." Löhrmann weiter: "Wir sind gesprächsbereit. Die SPD muss klären, ob sie mit der Linkspartei reden wird. Ihre Partei stehe zur Verfügung, wenn sich ein "grünes Zukunftsprogramm" umsetzen ließe. Sie hoffe, "dass es für Rot-Grün allein reicht. Es wäre Wahnsinn, wenn zwei Frauen dieses große Bundesland regieren würden."

Reiner Priggen, Vize-Fraktionsführer der Grünen, freute sich über das "Rekordergebnis" und antwortete auf die Frage, ob auch Schwarz-Grün eine Option sei: "Das erste Gespräch werden wir mit den Sozialdemokraten führen." Noch aber lägen CDU und SPD zu nahe beieinander, um irgendein Bündnis ausschließen zu können.

FDP: "Die FDP hat nichts hinzugewonnen"

Pinkwart ist enttäuscht

Andreas Pinkwart, FDP-Landeschef und Spitzenkandidat, gab zu: "Die FDP hat ihr Wahlziel, Schwarz-Gelb fortsetzen zu können, nicht erreicht." Die FDP habe das Ergebnis aus der Landtagswahl 2005 verteidigt, aber nichts hinzugewonnen. "Das ist für uns enttäuschend."

Der FDP-Parteivorsitzende und Abgeordnete aus Bonn, Guido Westerwelle, gestand die Niederlage ein: "Wir haben unsere Wahlziele nicht erreicht", sagte er in Berlin und sprach von einem "Warnschuss" auch für die Regierungsparteien in Berlin. "Er ist auch gehört worden." Westerwelle dankte den Wählern und sprach der NRW-FDP das Vertrauen aus: "Man gewinnt zusammen, und man verfehlt auch seine Wahlziele zusammen."

Linke: "Ein grandioser Erfolg"

Die Linkspartei will die Regierungsverantwortung mittragen, sollte sie in den Landtag einziehen. "Wir sind bereit, Gespräche zu führen, wenn die SPD auf uns zukommt und ein Politikwechsel herbeigeführt werden kann, der der Mehrheit der Menschen dient", sagte Linken-Vorsitzender Wolfgang Zimmermann. Sollte sich das Ergebnis verfestigen, wäre das ein "grandioser Erfolg".



Artikel stammt von www.wdr.de

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