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Der soziale Kontakt zu Menschen, einen Menschen zu unterstützen und ihm zur Seite zu stehen. Einen sozialen Beruf. Das wollte ich immer machen. Also habe ich mich beworben, voller Vorfreude. Als endlich die Ausbildung startete war ich so glücklich und motiviert. Was ganz schnell kam, war die Ernüchterung und der Aufprall in die Realität. Schon am ersten Tag wurde uns klar gemacht wie hart die Ausbildung wird und wie schwer das Examen. Wenig motivierend. Im ersten Schulblock wurde uns wahnsinnig viel wissen eingetrichtert, beziehungsweise wurde es versucht. Dann begann der erste Einsatz auf Station. Beginn 6 Uhr morgens. Wir waren alle wahnsinnig aufgeregt und voller Vorfreude, schnell kam die Ernüchterung. Niemand hatte Zeit für uns, erklärt wurde garnichts. Wir wurden allein gelassen. Es hieß bloß „ Steh nicht im Weg, aber lauf hinterher!“ Ich bekam Aufgaben die ich nie gemacht hatte, fragen sollte ich allerdings auch nicht, denn das war lästig. Schnell wurde klar, eigentlich hat niemand Lust auf Schüler und haben möchte uns hier auch niemand. Fragte man nach Hilfe, wurde man als dumm dargestellt oder als würde man seine Arbeit verweigern. Die Motivation sinkt, die Frustration steigt. Die Probezeit ist rum, die Klasse hat sich halbiert. Im zweiten Einsatz hofft man auf mehr Engagement und Verständnis der Examinierten Kräfte. Fehlanzeige. Es heißt lediglich „ Du kennst dich mittlerweile aus also los!“ Die seelische Belastung steigt, man fühlt sich kraftlos und will nur noch weinen. Man bekommt Beurteilungen in denen steht, man sei Faul, Respektlos und würde zu langsam arbeiten. Man will bloß schreien und am liebsten weg laufen. Aufwachen aus diesem Albtraum. Man arbeitet 11 Tage am Stück im Schichtdienst, soll nebenbei noch lernen. 3 Tage frei um sich zu erholen, von erholen kann hier nicht die Rede sein. Ist man selbstbewusst wird man als Forsch hingestellt, man überschätzt sich und ist unbequem. Ist man nicht selbstbewusst genug, geht man unter und wird noch weniger wahrgenommen als sowieso schon. Wie man sich verhalten soll weiß niemand. Meldet man sich krank herrscht Unverständnis. Kommt man wieder wird man mit Missgunst und herablassenden Blicken begrüßt. Wie kann man es sich bloß erlauben krank zu sein. Man ist unkollegial! Wir werden in Situationen gebracht die uns maßlos überfordern, Hilfe bekommt man keine. Man ist allein. Man denkt man ist in einem sozialen Beruf. Soziales Verhalten untereinander? So etwas gibt es im Krankenhaus nicht, darauf kann man lange warten. Weshalb so viele Pflegekräfte fehlen und niemand diesen Beruf ausüben möchte, wieso so viele die Ausbildung abbrechen? Wegen genau dieser asozialen Umstände, in einem so sozialen Beruf. Ich habe die Ausbildung abgebrochen. Nicht wegen der Patienten, der Angehörigen oder der Arbeit an sich. Sondern wegen der Kollegen, der Krankenhausleitung und der fehlenden Unterstützung. Der Unterstützung die man als Auszubildender braucht. Was bleibt sind Frustration und Ärger. Ärger über die Zustände, Ärger darüber, dass sich wahrscheinlich nichts ändert und darüber, dass man helfen wollte und jetzt aufgeben muss um sich selbst vor dem Abgrund der Pflege zu schützen. 

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