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Gerne denkt man an das letzte Jahr zurück, man hat ja mal Zeit so zwischen den Feiertagen und in den Ferien.

Der Start letztes Jahr begann mit dem Ausfall der Heizung. Zum Glück ging der Strom, so dass der geöffnete Backofen ein bisschen Wärme spendete, und das Wetter war für einen Spaziergang auch gar nicht schlecht. Das Problem konnte zum Glück schnell gelöst werden und war ja nur ein Persönliches. Doch dann kam die Meldung: Lockdown auch für die Schule. Nun gut, man war ja gerüstet mit der moodle Plattform, würde schon schief gehen. Und das ging es dann ja auch. Gleich am ersten Tag brach der Server zusammen, weil ja plötzlich – oh Wunder – so viele Schüler*innen gleichzeitig auf die Lernplattform zugriffen. Aber auch das wurde zügig gelöst und man konnte weiter lernen. Lernen? Naja, die ersten Schüler*innen schliefen sich erst einmal aus und kamen erst später zum Unterricht. Aufgaben abgeben? „Wie geht das, Frau H? Kann ich das nicht auch per WhattsApp schicken?“ Immerhin schickten Einige etwas. Man kam sich ein bisschen wie im Outback in Australien vor, wo die ganzen Farmkinder ja auch online unterrichtet werden. Nicht, dass ich das schon praktiziert hätte, aber so stellt man es sich halt vor. So schwer konnte es doch nicht sein. Falsch gedacht, es wurde schwer. 

Bei den nicht vorhandenen Endgeräten fing es an, beim völlig anderen Vorbereiten für Lerninhalte hörte es noch nicht auf bis hin zu Höchstleistungen, um Schüler*innen zu motivieren. 

Was wurde nicht alles angeschafft, um auch weiterhin einen guten Unterricht anzubieten; PC war vorhanden, ein Tablet war auch noch da, die Kamera am PC kaputt – also eine Neue, eine Dokumentenkamera wäre auch nicht schlecht und ein Stift zum tablet/ipad, damit man auch in Echtzeit mit den Schülern*innen Tafelbilder entstehen lassen konnte. Ach ja, nicht zu vergessen der höhenverstellbare Aufsatz für den Schreibtisch, damit man nicht den ganzen Tag nur Sitzen musste. Von der Steuer absetzbar? Keine Ahnung, mal versuchen, sonst eben eine Investition in die Zukunft unserer Kinder. Zwischendurch mal ein Austausch mit den Kollegen, natürlich digital. In der Grundschule waren die Lehrkräfte teilweise wirklich im Outback und besuchten ihre Schüler*innen, allerdings nicht mit dem Flugzeug sondern mit Auto oder Fahrrad, um Lernpakete zu verteilen. 

Notbetreuung, ach die war ja auch noch. Dem Schreibtisch mal zu Hause ein paar Stunden in der Woche entfliehen und Schulluft schnuppern. Der Unterricht musste dann eben vorab vorbereitet werden, dass die Schüler*innen damit zurechtkamen. Man darf nicht alles zu perfektionistisch sehen. Und mal wieder jemanden sehen war ja auch nicht schlecht. Oder hatte man sich jetzt gerade in der kurzen Zeit angesteckt? Aber nein, Lehrkräfte durften sich ja ganz schnell impfen lassen, sofern ein Termin zur Verfügung stand. Eine Erleichterung und trotzdem nur Kontakte mit dem eigenen Haushalt und na klar mit den Schüler*innen am Bildschirm, sofern sie denn wollten und die Kamera nicht gerade zufällig mal wieder kaputt war.

Am Ende der Fernlernzeit ein Aufatmen, endlich einander wiedersehen. Und dann hieß es, oh je Lücken stopfen. Den ganzen Lerninhalt von den Wochen wiederholen? Das Lernziel am Ende des Schuljahres doch noch erreichen? Alle haben das Beste gegeben. 

Die Sommermonate kamen und das Lüften war ja eher angenehm. Nur schade, dass man so wenig voneinander sah, man viele gar nicht richtig verstanden hat. Nun ja, für die Gesundheit und das Offen-Halten der Schule macht man ja fast alles, da trägt man auch Maske.

Sommerferien, wir duften unser Land sogar verlassen. Alle strömten nach Italien oder anderswo, Auslandsluft schnuppern. Schon an der Grenze überkam einen ein Hochgefühl, roch es direkt ganz anders, auch wenn man es sich nur einbildete.

Start in ein neues Schuljahr, aber wie? Präsenz, aber mit Maske und Testen. Okay, kannte man schon. Schade nur, wenn man die Kinder neu bekam und das Gesicht sich halb merken musste. Aber vor den Herbstferien durfte man ja am Platz mal kurzzeitig die Maske fallen lassen. „Ah, so seht ihr aus! Wow, du kannst ja richtig lachen! Was hast du für ein hübsches Gesicht! Uih, ist die Zahnlücke neu?“ Das war leider nur von kurzer Dauer, aber zumindest mal ein Einblick. 

Und dann gab es das Testen – naja, es war mit positiven Ergebnissen zu rechnen. Die gab es dann auch, immer wieder und immer öfter. Wie sollte man als Lehrkraft/Schulleitung nun reagieren? Keine Vorgaben? Nun ja, dann musste bei 5 positiven Schnelltestergebnissen an  aufeinanderfolgenden Tagen eben eine Klasse für 5 Tage digital unterrichtet werden, um die Ansteckungskette zu unterbrechen. Man war jetzt schon fast Profi, die moodle-Plattform lief, alle hatten es im Frühjahr schon geübt und es war ja auch mal zwei Tage was Anderes und interessant. Ab dem dritten Tag schon nicht mehr. Ausschlafen und Spiele am ipad sind eben doch reizvoller bei Manchem. Nicht verrückt machen – es sind nur 5 Tage, kriegen wir doch hin. So schlängelte man sich dadurch, füllte Lernlücken, die eigentlich ja schon länger durch das Projekt „Rückenwind“ aufgefangen werden sollten. Irgendwie kam es nicht so richtig bei uns an. Wer sollte nun wie und wann was machen?  Aber auch das ist dem Lehrer/in nicht fremd, alles Auffangen, das Beste daraus machen, den Schülern*innen guten Unterricht bieten, indem jeder etwas lernt und auch noch Spaß hat. Haben wir doch studiert, schaffen wird doch. Zumindest durfte man wieder raus, Tagesausflüge, kleine Projekte zum Erheitern und Aufmuntern aller. Und so sehnte man die nächsten Ferien herbei, die Festtage mit der Familie und den Freunden, mal abschalten. Ach ja, da kam ja noch kurz vorher die Entscheidung, Eltern durften für die letzten Schultage frei entscheiden, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause unterrichtet werden sollten. Ups, okay, dann wurde eben wieder alles digital eingestellt, aufbereitet, dass es auch von zu Hause machbar war, nebenher den Anwesenden den Lernstoff vermittelt, gleichzeitig Kontrolle der Aufgaben von den Zuhausekindern und ein bisschen das Gefühl von Besinnlichkeit, Feierlichkeit, Ferienvorfreude etc. den Anwesenden vermitteln. Lehrkräfte sind doch multitaskingfähig. Kriegen wir hin mit Gelassenheit und Ruhe.

Und so war es auch. Das Jahr wurde geschafft, mal besser und mal weniger befriedigend, mal nervenbelastend und mal erheiternd, alles in allem geschafft.

Und wie geht es weiter? Hoffen auf Präsenz, nicht krank werden und möglichst viele negative Schnelltestergebnisse. Und der Vorsatz, machen wir auch mal wieder etwas Schönes im Unterricht, besuchen wir ein Museum, gehen wandern oder planen den nächsten Urlaub. Mit Sicherheit muss man auch zwischendurch wieder Kraft tanken. Es wird sicherlich auch 2022 wieder neue Herausforderungen geben. Aber das schaffen wir auch noch!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern*innen alles Gute, Gesundheit, starke Nerven und Geduld für das neue Jahr und machen Sie es sich und Ihren Schülern*innen zwischendurch auch mal schön.

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