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Interview mit einem Bildungsträger

Geprägt durch die Globalisierung, Digitalisierung, strukturelle Veränderungen und demografische Umbrüche sind Arbeitnehmer heute immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Arbeitsmodelle verändern sich ständig. Steigende Lernanforderungen und hohe Flexibilität sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Können Job-Coaches und Bildungsträger hier eine wichtige Schnittstelle auf dem Arbeitsmarkt einnehmen? Dies wollte ich genauer wissen und habe dazu das nachfolgende Interview geführt.

 

-Herr Singh, Sie sind der Unternehmens –und Pressesprecher der Falk & Co. Jobexperten GmbH, einer Gesellschaft mit den Schwerpunkten Personalvermittlung, Schulung, Aus –und Weiterbildung. Wie beurteilen Sie aus der heutigen Perspektive, das Ende der 1990er  Jahre ausgerufene Motto vom

 „Fordern und Fördern“?

Singh: „Ich bin der Auffassung, dass dies zum damaligen Zeitpunkt durchaus seine Berechtigung hatte, zumal es sich seinerzeit um ein sozial –und steuerungspolitisches Instrument zur Schaffung des  aktivierenden Sozialstaats handelte. Wenn wir uns die vergangenen 10 Jahre anschauen, so sind wir doch mit einem relativ robusten Arbeitsmarkt glimpflich durch die Eurokrise und die Flüchtlingsthematik gekommen. Nicht zuletzt ist dies auch vor allem den flankierenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit geschuldet.“

-Sie meinen damit die Verteilung von Steuermitteln an Bildungseinrichtungen?

Singh: „Nicht nur, nicht ausschließlich. In erster Linie geht es vor allem darum, den Menschen sinnvolle Perspektiven aufzuzeigen. Selbstverständlich sind in der Anfangsphase der Arbeitsmarktreformen auch viele Dinge passiert, die man hätte vermeiden können. Dies will ich nicht in Abrede stellen.“

- Die da wären, nennen Sie uns ein Beispiel?

Singh: „Erinnern wir uns doch an die Förderung der sog. Ich-AGs. Hier wurde zwischen 2003 und 2006 das Geld de facto mit der Gießkanne verteilt. Nennenswerte Effekte wurden aber nicht erzielt. Mittlerweile hat man das erkannt und die Förderrichtlinien entsprechend geändert. Dies zu Gunsten der Qualität und zu Lasten der Quantität.

-Sie sehen also eine wesentliche Verbesserung in der Qualität der Personalvermittlung und Bildungsförderung und welche Auswirkungen hat das auf Ihre Einrichtung?

Singh: „Ich sehe vor allem wesentlich bessere Rahmenbedingungen für eine bedarfsgerechte und zielführende Förderung, von denen unsere Klienten profitieren. Praktisch hat dies jedoch keine großen Auswirkungen auf unser Unternehmen, da wir von Beginn an auf Qualität unseres Angebots geachtet haben.

-Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Singh: „Wir beobachten seit Jahren den hiesigen Arbeitsmarkt sehr genau und registrieren alle relevanten Veränderungen. Dies hatte zur Folge, dass wir uns vor Markteintritt intensiv mit unserem Angebot und unserer Strategie befasst haben. Von Anfang an war dabei klar, dass wir nicht irgendeine Bildungseinrichtung sein wollen, die eine beliebige Menge von Menschen durch die Kurse schleust. Wir bieten den Menschen, die zu uns kommen, die wirklich notwendigen Instrumente und Netzwerke, um sie in eine auskömmliche Arbeit zu vermitteln. Aus diesem Grund haben wir auch strategische Allianzen gebildet, welche die Interessen der Arbeitssuchenden mit den Bedürfnissen künftiger Arbeitgeber optimal kombinieren.“

-Das hört sich zunächst sehr gut an.

Singh: „Das hört sich nicht nur gut an, es ist auch sehr gut und vor allem in der Praxis erprobt. Der Erfolg und das damit verbundene Wachstum unserer Unternehmung, bestätigt die Richtigkeit unserer Strategie.“

-Im Hinblick auf die Corona-Pandemie, interessiert mich Ihre Meinung bezüglich der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Wie sehen Sie die Zukunft?

Singh: „Wie ich bereits erwähnte, beobachten wir die Entwicklungen sehr genau. Ich bin natürlich kein Hellseher, bin mir aber ziemlich sicher, dass wir einschneidende Veränderungen erleben werden. Dies im Übrigen nicht nur durch die Pandemie bedingt. Denken Sie an den technischen Fortschritt, welche Quantensprünge wir in der Digitalisierung und dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz erleben. Die Pandemie wird natürlich die Dinge beschleunigen. Berufe, die heute noch existieren, wird es morgen schon nicht mehr geben.“

-Das ist aber eine ziemlich dystopische Sicht.

Singh: „Mag sein. Es ist aber eine Tatsache, der wir uns zu stellen haben. Auf der anderen Seite werden aber auch neue Berufsbilder und somit neue Chancen entstehen. Wir arbeiten jedenfalls schon heute an den Lösungen für morgen, was die Qualifizierungsmaßnahmen angeht.“

-Welche Ratschläge haben Sie für den geneigten Leser parat?

Singh: „Es ist nicht meine Aufgabe Ratschläge zu erteilen. Die Aufgabe unseres Unternehmens ist es, den Menschen Bildungsangebote zu unterbreiten. Angebote, die, wenn sie wahrgenommen werden, das nötige Rüstzeug für das berufliche Fortkommen beinhalten.“

-Einer Ihrer Schwerpunkte liegt vor allem auch in der beruflichen Orientierung und Aktivierung für Asylsuchende und Migranten. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Singh:  „Wir haben hier bisher durchweg positive Erfahrungen gemacht. Viele bringen den Willen zur Veränderung mit und beweisen eine hohe Einsatzbereitschaft und sehr viel Ehrgeiz. Nicht wenige kommen ja auch aus Ländern, wo es keinen regelmäßigen Schulunterricht gibt oder eine Ausbildung teuer bezahlt werden muss.“

-Schlägt sich das auch in Ihren Vermittlungsquoten nieder, denn Sie vermitteln ja auch in betriebliche Praktika und in den ersten Arbeitsmarkt?

Singh: „Zunächst ist festzustellen, dass wir niemanden allein lassen. Selbst nach Beendigung einer Maßnahme, stehen wir den Menschen weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Das wird vor allem auch von den zukünftigen Arbeitgebern sehr geschätzt und erhöht natürlich auch die Vermittlungsquoten. Hier erzielen wir insbesondere im Handwerk und im Handel exzellente Ergebnisse.“

-Herr Singh, ich bedanke mich für das offene und sehr aufschlussreiche Interview und wünsche Ihnen und Ihren Klienten weiterhin viel Erfolg.

Singh: „Ich danke Ihnen.“

Weiterführende Informationen finden sich auf der Webseite des Unternehmens:

www.falkundco.de

 

© 2020 by, Jörg W. Krause

 

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