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Das Wort –alternativlos- das im Zusammenhang der Befürwortung des sogenannten Euro Rettungspakets immer wieder benutzt wird ist schlicht und einfach ein sprachlicher  Trick um eine hohe Zustimmung zu erhalten.

Alternativlos schließt alle anderen Möglichkeiten aus. Andere Möglichkeiten gibt es aber in der Regel immer, insbesondere die Möglichkeit einfach nichts zu tun und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Angenommen mein Nachbar, der ja auch das gleiche Geld wie ich benutzt, in meinem Fall den EURO, kann mit seiner Firma nicht mehr das Geld erwirtschaften das er braucht um seine Schulden zu verzinsen und zurück zu zahlen. Sein Haus droht an Wert zu verlieren da er gezwungen ist schnell zu verkaufen. Dieser Wertverlust könnte einen Wertverlust für mein Hausbedeuten. Für mich hat das nur in so fern eine Auswirkung, als mein Haus auch durch Schulden belastet ist, denn wenn die finanzierende Bank feststellt das das Nachbarhaus weniger wert ist wird sie auch den Beleihungswert meines Hauses reduzieren. Ist es daher für mich „alternativlos“ mein Haus noch mehr  zu verschulden um meinem Nachbarn Geld zu leihen damit seine Firma wieder flott wird?

Wenn ich so handle dann begebe ich mich in Abhängigkeit der Firma meines Nachbarn. Diese Firma muss in Zukunft nicht nur seine Schulden abbezahlen, sondern auch meine.

So handeln werde ich natürlich nur wenn ich nach ausreichender Prüfung die Zukunftsaussichten dieser Firma geprüft habe und mich mit seiner Geschäftsidee voll und ganz identifiziere.

Habe ich den Glauben an die Zukunft der Firma meines Nachbar angenommen bleibt immer noch die Frage ob ich damit richtig liege. Wenn nicht dann wird irgendwann der Notverkauf beider Häuser notwendig aber vielleicht gibt es ja noch weitere Nachbarn?

Es ist also vorher die Grundfrage zu stellen warum die Firma nicht mehr geht. Liegt es am verwendeten Geld? Tatsache ist, dass nicht genügen Verbraucher die Produkte der Firma zu Preisen kaufen die der Firma einen nachhaltigen Gewinn bescheren. Normalerweise liegt das an einem falschen Preis – Leistungsverhältnis, die Produkte sind für das was sie bieten zu teuer. Es müssen also die Produktionskosten runter. Das sind Energiekosten, Mieten, Löhne, etc. Letztendlich bedeutet das der Nachbar muss in seiner Firma weniger Geld ausgeben es kommt also bei seinen Lieferanten und auch seinen Angestellten weniger Geld an. Eine harte aber letztendlich immer wieder zu erkennende Wahrheit die tatsächlich langfristig wahrhaft alternativlos ist. Sie tritt ein bei einer Sanierung, in diesem Fall zeitlich gestreckt, aber auch bei einer Insolvenz – in diesem Fall schlagartig.

Der andere Weg ist die Qualität der Produkte entsprechend an zu heben um ein ausgeglichenes Preis – Leistungsverhältnis her zu stellen. Dies bedeutet aber auch eine Reduzierung der Produktionskosten. Es bleibt zwar genauso viel Geld im System aber es muss für dieses Geld mehr Qualität geliefert werden, also mehr geleistet werden.

Erstaunlich ist nur das sich aus meiner Sicht der Wert des verwendeten Geldes also des EUROs in diesem ganzen Prozess überhaupt nicht verändert. Es ist allenfalls notwendig geworden noch mehr Arbeit auf zu wenden um die notwendige Anzahl an EUROs zurück zu bekommen die bereits ausgegeben wurden.

Europa hat sich dazu entschieden dem Nachbarn Griechenland noch mehr Geld zu leihen. Es identifiziert sich also mit dem griechischen Geschäftsmodel und erwartet das Griechenland in Zukunft nicht nur das bisher ausgegebene Geld zurückzahlt sondern auch das neu geliehene. Hat Europa wirklich die Möglichkeit die Sanierungsanstrengungen der Griechen zu kontrollieren und gegebenenfalls gegen deren Willen durch zu setzen? Was machen wenn die Griechen plötzlich doch nicht mehr leisten wollen? Wie bekommt Europa dann sein Geld zurück? Ach ja der EURO ist ja nur ein bedrucktes Stück Papier. Wert ist er nur insofern etwas, da ich damit z.B. ein Auto oder ein Haus oder eine Insel kaufen kann. Das Papier drückt ja nur den Wert in Recheneinheiten aus. Wie viel sind uns die griechischen Immobilien, Autos, Weine, Oliven, Schafe, Ziegen, Schweine, Tomaten und Zitrusfrüchte wert? Gehört das dann alles uns wenn die Griechen nicht mehr zahlen (können)? An dieser Stelle darf ich daran erinnern dass sich das Packet ja zwischenzeitlich nicht nur auf Grichenland beschränkt sondern alle Euro Länder betrifft.

Liebe Politiker sie haben MEIN Geld ausgegeben, nicht das Geld des Staates. Der Staat bin nämlich ich, ich der Bürger, ich der Steuerzahler, der ich gezwungener Maßen einen Teil meiner Einkünfte abzweige um ein funktionierendes Gemeinwesen zu unterstützen. Sie liebe Politiker verwalten dieses Geld. Sie liebe Politiker sind nicht die selbstherrlichen Regenten die machen können was sie wollen. Woran liegt es dass sich immer mehr Bürger aus dem politischen Prozess verabschieden? Sie haben einfach Genug von dem was sie als verantwortungsloses Geschwafel empfinden und verabschieden sich wo immer sie können in die Schattenwirtschaft. Die Menschen wissen ganz genau dass in Zukunft nicht weniger sondern mehr Arbeit auf sie wartet. Sie wollen die Früchte dieser Arbeit aber gerne selbst behalten und nicht geschröpft werden.

Insofern kann ich die Solidarisierung mit den Griechen verstehen.

Wolfgang

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Kommentare  

+6 #2 marc henning 2010-05-31 12:12
Alternativlos ist wirklich das Wort, dass seit Beginn der Krise für alle Milliarden benutzt wird, die zu diversen Rettungen rausgeblasen wurden. Alternativlos lässt nicht die kleinste Diskussion zu. Und das ist falsch. Hat denn wirklich mal ein Politiker realistisch die langfristigen Konsequenzen für Deutschland und Europa untersucht? Wenn ja, so wurden diese nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Und das allein ist doch schon Beweis genug, dass diese Rettungsversuche alle eher kurzfristig orientiert sind!!
+8 #1 Klaus Fischer 2010-05-29 21:27
Sehr schön bildlich beschrieben und das Problem theoretisch erfasst, eine Erklärung, die jeder versteht! Das praktische Problem scheint ja nur diese Mentalität in Griechenland zu sein, z.B. Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt, Renten fließen im Überfluß, etc. Keiner ist in diesem Land bereit für die "Firma" Abstriche zu machen, um ein Überleben zu erzwingen.

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